Sonntag, 22. April 2012

Save the date: Am 30.August wird geheiratet!


So viel Wein auf einem Fleck, das macht  ganz schön durstig. Egal ob rot, weiss oder rosé: an der Mustermesse Basel (muba) ist für jedermann etwas dabei. Doch mit dem blossen Anschauen ist es noch nicht getan, nein, schliesslich sieht man einem Wein ja nicht an, ob er schmeckt oder nicht! Die Lösung ist einfach: Degustieren. 

So einfach ist es dann aber doch nicht. Zu zweit haben wir uns am Wochenende aufgemacht, in die heilige Halle 2.2, zu den Weinliebhabern. Endlich wollten wir auch einmal dazusitzen und über  erlesene Tropfen fachsimpeln, und das erst noch gratis, versteht sich. Doch wie fachsimpelt man über etwas, von dem man aber sowas von gar nichts versteht? Wie bringst du einen Verkäufer dazu, dir die besten Weine aufzutischen, ohne dass dieser merkt, dass du ja sowieso keine einzige seiner Flaschen kaufen wirst? Und wie spreche ich diese Traubensaft-Kenner überhaupt an? „Hallo, ich würde gerne gratis deinen Wein saufen?“  Oh nein, meine Lieben, so einfach ist das nicht! Man braucht dafür eine Taktik, Körperbeherrschung und eine gute Portion Skrupellosigkeit. Und das ist genau der Punkt: Zwei anständige, gut erzogene Landeier wollen in der grossen Stadt die Skrupellosen spielen. Wir habens versucht, und zwar mit Erfolg! Hier unser Schlachtplan:

Zuerst brauchst du eine Story. Und zwar nicht einfach irgendeine Story, nein, es muss eine glaubwürdige, einfache und alltagsnahe Story sein. Lücken und Fehler darin sind gleichbedeutend mit Scham, Peinlichkeit und einer Degradierung sondergleichen. Folgende Optionen standen uns nach langwieriger Diskussion zur Wahl: Die „Wir haben keine Ahnung von Wein und würden uns gerne belehren lassen“-Nummer, die „Wir haben gerade eine WG gegründet und möchten unseren Weinkeller füllen“-Nummer, oder die „Mein Kollege heiratet und wir suchen einen passenden Wein“-Nummer. Nummer eins ist wahnsinnig ehrlich, glaubwürdig und beinhaltet keinerlei Fettnäpfchen. Aber sie hat einen grossen Haken: Welcher Weinverkäufer verbringt schon gerne einen halben Nachmittag mit zwei Laien, währenddessen seine Arbeitskollegen ihre Provision mit unzähligen verkauften Flaschen in die Höhe treiben. Und den guten Wein, den richtig guten, den servierst du bestimmt nicht diesen zwei Idioten! Nummer eins also war schnell gestorben. 

Nummer zwei, die WG-Nummer. Wer einen Weinkeller hat, der hat bestimmt auch ein wenig Ahnung von der Materie. Trotzdem hätten wir uns aber noch als Anfänger geben können, um peinlichen Fachausdruck-Schlachten aus dem Weg zu gehen. Aber mal ehrlich: Welche WG hat schon einen Weinkeller? Und in einer WG leben oftmals zwei Studenten die mit ihrem Budget gerade mal so über die Runden kommen. Würdest du so jemanden den 19.90 CHF Kochwein probieren lassen oder doch eher den 84.50 CHF teuren Spezialwein aus Südafrika? Eben. Zwei auch tot. 

Bleibt noch die Drei. Die Geschichte mit der Hochzeit. Traumhaft! Ja wann leistet sich denn auch ein finanziell limitierter Student einmal eine gute Flasche? Natürlich, zur Hochzeit! Schliesslich will er seine Zukünftige ja nicht enttäuschen, und deren Eltern schon gar nicht! Zudem kauft man für die Hochzeit nicht einfach den erst besten Wein, nein, man vergleicht, man testet, man, achtung, degustiert! Ja genau, man degustiert! 

Zack! Dem ersten Typen die Geschichte erzählt und schon sitzen wir am kleinen Tischlein. Ein dunkelhäutiger, gepflegter und humorvoller Verkäufer, natürlich im Anzug, wird uns bei der Wahl behilflich sein. „Weiss, rot oder rosé?“. Shit, das hatten wir uns nicht überlegt. Kannst ja nicht einfach zu einem Rundumschlag ausholen und dich mal so durch die ganze Karte trinken. Wir hätten präziser sein sollen. Solange aber nur einer redet, ist es ja kein Problem, da muss man halt spontan sein. „Weiss, wir suchen einen Apéro-Wein“. Ja meine Güte, was zaubert denn da mein Kollege für eine herrliche Antwort aus dem Hut? „Mögt ihr trockenen Wein? Gerne etwas fruchtig oder süss? Darf er etwas Säure haben?“ So. Jetzt hast du den Salat. Aber halt, da gibt es ja immer noch die „Ich habe keine Ahnung“-Nummer. Wieso nicht einfach ehrlich sein? Einer der Heiratet ist nicht sofort ein Weinkenner. „Schwierig…wir kennen uns halt nicht so aus. Ich kann dir höchstens sagen ob mir ein Wein schmeckt oder nicht…beim „Wieso“ wird’s dann etwas schwieriger“. Kein Problem, mein der Verkäufer, und tischt uns in der Folge alles auf was wir nur so möchten. 

Zuerst den günstigen natürlich. „Das ist ja jetzt eher der günstige Wein, der schmeckt mir eigentlich ganz gut, aber ich würde jetzt gerne mal zum Vergleich einen teuren versuchen, nur um zu sehen, ob es sich lohnt, etwas mehr zu investieren“. Grandios! Oscar-Reif! Der Typ steht auf und greift in den Kühlschrank. 36 CHF kostet der schon. Herrlich läuft der den Hals hinunter, zwar nicht viel besser als der günstige, aber halt teurer! Schlussendlich lassen wir uns vorrechnen was das Ganze für eine Gesellschaft von 100 Gästen kosten würde, verlangen eine Offerte und verabschieden uns höflich. 

Das Ganze wiederholt sich nun noch etwa fünf Mal, glaube ich jedenfalls, so richtig kann ich es nicht mehr sagen, da kommt halt dann schon einiges an Alkohol zusammen an einem Samstagnachmittag. Jedenfalls passen wir die Geschichte immer wieder etwas an: Den Rotwein suchen wir nämlich für den Hauptgang, wo wir am liebsten gleich zwei Sorten zur Auswahl anbieten möchten. Natürlich brauchen wir dann noch einen Dessertwein und beim Walliser-Stand geben wir zu verstehen, dass wir bis jetzt nur teuren Südafrikaner serviert bekommen hätten, und gerne auch einmal einen Schweizer Wein versuchen würden, denn das sei ja wohl ökologisch viel sinnvoller! Ja natürlich! Zack, hatten wir die Walliser-Dame auch schon am Haken!

Schlussendlich dürfen wir behaupten, nun nicht mehr blutige Anfänger, sondern ein klein wenig "fortgeschritten" zu sein. Wir können jetzt zwischen "leichtem" und "schwerem" Wein unterscheiden, kennen den Unterschied zwischen einem Weisswein mit viel Säure und einem ohne Säure und haben gemerkt, dass Schweizer Weisswein bestenfalls zum Kochen geeignet ist. Im nächsten Jahr greifen wir dann richtig an, dann wollen wir definitiv in die Gruppe der "Fortgeschrittenen" aufsteigen. 

Und die Moral der Geschicht‘? Ohne Taktik geht es nicht!