Gleich links nebenan liegen Bert und Gundula. Sie kommen aus Deutschland. Alter? Nach Berts Bauch geurteilt müsste er etwa 45 sein, Gundulas Brüste sprechen da schon eine andere Sprache. Die werden die 50er-Barriere wohl oder übel schon überschritten haben. Das erkenne ich ziemlich genau, denn die gute Gundula präsentiert mir ihre Liebsten ja auch auf dem Silbertablett. Soweit so gut. Kein Grund zur Aufregung. Nun entdecke ich zwei Reihen weiter vorne in Richtung Meer eine Familie. Papa liest in einem Buch während sich Mama die Brüste eincremt. Die Tat vollbracht, macht Mama keinerlei Anstalten, sich ihr Bikini-Oberteil wieder zuzuschnüren. Stattdessen legt sie sich direkt in die Sonne. Soweit so Gut. Kein Grund zur Aufregung. Aufgeregt ist hingegen meine Blase, daher mache ich mich auf den Weg zur Toilette. Vorbei an hunderten von Liegestühlen tänzle ich über den brennend heissen Sand zum WC-Häuschen. Und dann fallen sie mir erst auf: Dort, eine junge Spanierin auf dem Weg ins Wasser. Oben ohne. Da drüben, es könnte vom Alter her glatt meine Schwester sein, barbusig in der Sonne. Vor mir die drei Freundinnen aus unserem Hotel, die ausser Strohhüten und Bikini-Tangas nicht mehr viel an Körperbekleidung zu bieten haben. Egal wohin mein Blick schweift, glänzende, junge Brüste stechen mir ins Auge!
Schon am ersten Strandtag musste ich erkennen: Der
Oben-ohne-Kult scheint ungeahntes Ausmass angenommen zu haben! Nach eigenen
Schätzungen war jede dritte Frau an besagtem Strand ohne Bikini-Oberteil
unterwegs. Waren es früher vor allem einige wenige Damen der Kategorie 50+, die
ihren der Erdanziehungskraft erlegenen Busen in die Sonne streckten, sind es
heuer vor allem die 20 bis 35-Jährigen.
„Seit wann dürfen Frauen in der Öffentlichkeit denn seelenruhig
ihre Brüste präsentieren?“, fragte ich mich. Bei Oma Kowalskis hängenden Gärten
war es mir früher ein Leichtes, ihre Freizügigkeit als „einmaliger
Ausrutscher“, als „Ausnahme“ abzustempeln. Aber jetzt betrifft es mich
plötzlich persönlich! Denn der Trend scheint in meine Altersgruppe
übergeschwappt zu sein.
Ich will mich ja nicht über nackte Brüste beschweren, was
läge mir denn ferner, aber irgendwie wüsste ich schon gerne, was diese jungen
Damen reitet, jedermann ihre Brüste zu präsentieren. Ist das überhaupt erlaubt?
Warum tun die das?
Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen!
Fadenscheinige
Argumente
Zuerst die Frage nach dem Warum. Warum präsentiert eine junge
Frau der ganzen Welt ihren Busen? Bei der Internet-Recherche sind mir zwei
Hauptgründe aufgefallen: Zum einen, das scheint mir der Hauptgrund zu sein,
geht es um die gleichmässige Bräune. Bikini-Oberteile hinterlassen ja
bekanntlich diese weissen, ach so scheusslichen Abdrücke auf den Rundungen.
Iiiiiiiih! Zum anderen geht es um den Tragekomfort. Diese nassen Dreiecke
fühlen sich beim Sonne tanken einfach unangenehm kalt an und, wenns dumm läuft,
führen sogar zu einer Erkältung. Mitten im Sommer!
Zu letzterem Argument kann ich aus eigener Erfahrung sagen,
dass sich meine Badehose nach dem Plantschen auch nicht sonderlich wärmer
anfühlt. Ähnlich stelle ich mir die Situation in den noch enger anliegenden Bikini-Höschen
vor. Trotzdem hänge ich meine Shorts nach dem Baden nicht gleich an den
rostigen Sonnenschirm. Geschweige denn die Damen ihr Höschen. So wäre es
bestimmt auch komfortabler, wenn man
nicht extra vom Tisch aufstehen müsste, um zu rauchen, während der Sitznachbar
noch am Essen ist. Trotzdem steht man auf, aus Anstand. Das Tragekomfort-Argument
scheint mir daher so sinnvoll wie eine Gabel in der Suppe.
Vermutlich ist es wieder einmal die Werbung, die uns glauben
lässt, nur gleichmässig gebräunte Busen hätten eine Existenzberechtigung. Denn
welche dieser Models in Katalogen, Werbungen und Fernsehen hat denn schon
Sonnenabdrücke auf ihrem Körper? Aber was die Werbung propagiert, ist halt nun
mal nicht immer die Wahrheit. Ihr Damen findet also, gleichmässig gebräunte
Brüste sähen schöner aus? Finde ich nicht!
Sollten dies nun tatsächlich die beiden Hauptargumente sein,
dann rechtfertigen sie das Busen-Blütteln meiner Meinung nach in keinster
Weise.
Was sagt
uns das Gesetzbuch?
Richtig zwingende Gründe finde ich also keine. Schauen wir einmal, ob es denn überhaupt erlaubt
ist, in der Öffentlichkeit blank zu ziehen.
Das kommt ganz auf das Land darauf an. In den meisten
östlichen Ländern jedenfalls ist das präsentieren der Brüste strengstens
verboten. Gar das Tragen von Bikinis auf öffentlichen Strassen und Plätzen ist
untersagt. In Amerika sind es nur wenige Staaten, die den Oben-Ohne-Kult erlauben. In der Schweiz gibt es
dafür kein explizites Verbot, jedoch kann eine barbusige Dame mitten in der
Einkaufszone durchaus wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ angezeigt
werden. Im Kanton Appenzell Innerrhoden gilt das Blütteln in der Öffentlichkeit
seit 2009 als Offizialdelikt und wird als „öffentlich anstössiges, Sitte oder
Anstand verletzendes Verhalten“ geahndet. Dies natürlich mit Blick auf die
vielen Nacktwanderer, durchaus aber auch anderweitig anwendbar.
Was den Strand betrifft, gibt es an den meisten europäischen
Badeorten natürlich Ausnahmen. Auch wenn nicht explizit erwähnt, so wird das
„Oben-ohne-Blütteln“ vielerorts geduldet. Aber warum „gibt es natürlich Ausnahmen“? Was ist daran so
logisch? So natürlich?
Ein Strand ist doch genauso öffentlich wie ein Kirchplatz
oder eine Einkaufsmeile? Abgesehen von Privatstränden versteht sich, aber da
können die Damen (und auch die Herren) von mir aus auch tun und lassen was sie
wollen. Aber ein öffentlicher Strand ist nun mal öffentlich. Jetzt würde ich
die Ausnahme ja noch verstehen, wenn es keine Alternativen gäbe. Aber um zu
meinen eigenen Ferien zurückzukommen: Eingangs des Strandes wurden die Besucher
auf einer grossen Tafel darauf aufmerksam gemacht, dass nur 800 Meter weiter
links sich ein sogenannter „Nudist Beach“ befinden würde. Ein Strand also, an
dem das Blütteln offiziell erlaubt ist, ja gar Voraussetzung fürs Sonne tanken.
Und das ist weiss Gott keine Ausnahme. Solche Strände findet man zu tausenden
in Europa!
Auch
Engelchen und Teufelchen haben etwas dazu zu sagen
Trotzdem scheint das Gesetzbuch ziemlich auf Strand-Brüste zu
stehen. So bleibt als letzte Richterliche-Instanz nur noch die Gesellschaft selbst
übrig. Was meint denn die gängige Moral zu blanken Busen? Dazu gibt es höchst
unterschiedliche Meinungen. Zum Beispiel meint „cubedriver“ im Forum auf „Planet-liebe.de“
folgendes:
„Für mich z. B. ist der nackte Anblick einiger Körperteile halt dem Partner vorbehalten, weils halt intim ist... Deswegen sollte nur ich das sehen und niemand sonst, der sich vielleicht noch dran aufgeilt, das fänd ich äußerst widerlich... „
Dagegen hat auf derselben Seite „User 44981“ aber etwas
einzuwenden:
„Nacktheit hat für mich einfach längst nicht immer und überall etwas mit Sex zu tun, sondern ist etwas völlig natürliches.
Irgendwelche Ansprüche, dass nur ich das Exklusivrecht besitze, meine Partnerin nackt zu sehen, sind mir völlig fremd.“
Die Trennung von Nacktheit und Sexualität. Dieser Gedanke
scheint mir entscheidend zu sein, um zu klären, ob es denn anständig ist, sich
in der Öffentlichkeit oben ohne zu präsentieren. Kann ich als Mann eine
attraktive, meinem Geschmack entsprechende Frau, die seelenruhig ihre Brüste
präsentiert, kurzum: mich optisch extrem anspricht, sexuell nicht anziehend
finden? Bzw. kein sexuelles Bedürfnis verspüren?
Zwischen
Sitte und Natur
Die Antwort ist einfach: Ja, ich kann. Nur zu welchem Preis?
Ein derartiger Anblick eines nackten Gegenübers hat sowohl bei Mann als auch
bei Frau meist ein Feuerwerk an Bildern, Erinnerungen und Sehnsüchten im Kopf
zur Folge. Man malt sich aus wies wäre, obs denn überhaupt klappen würde und
wenn ja, wie? Problemlos integriert man das begehrte Objekt in sein
persönliches Kopfkino. Diese kognitiven Abläufe haben meist auch physische
Reaktionen zur Folge. Erhöhter Herzschlag, Anstieg des Adrenalinspiegels,
Abenteuerlust und, ja meine lieben Damen, man glaubt es kaum, beim männlichen
Geschlecht je nach Intensität des Kopfkinos eben auch ein Anschwellen des
Geschlechtsorgans. So funktionieren wir halt nun mal. Nicht nur die „Grüsel“
und „Spanner“ unter uns, nein, so funktionieren wir (fast) alle und ich sehe
auch überhaupt nichts Schlechtes oder Perverses daran. Das ist die Natur.
Jetzt kann man das als (geübter) Mann durchaus unterdrücken.
Man sagt die Kopfkinovorstellung kurzerhand ab und schickt Adrenalin und
Konsorte dorthin zurück, wo der Pfeffer wächst.
Das ging früher sogar ganz einfach, bei den höchstens fünf Busenpaaren,
die man an so einem Strandtag zu Gesicht bekam. Von ihren Besitzerinnen sprach dann meist auch nur eine den persönlichen Geschmack an. Nur wie verhält es sich
heute, wenn jede dritte Frau ihren Busen sonnt?
In Gran Canaria lagen pro Tag geschätzte 2‘000 Menschen am
Strand. Gehen wir mal davon aus, dass die Hälfte davon Frauen waren. Ein Drittel von 1'000 ergibt nach Adam Riese doch rund 300 barbusige Damen, von denen man jedoch nur circa
einem Drittel auch tatsächlich begegnet. Von den verbleibenden 100 sind vielleicht
40 in irgendeiner Weise attraktiv für ein Mann meines Alters. Aufgrund der
veränderten Altersstruktur der „Blüttlerfrauen“ doch ziemlich viele. Das wären
bei einem durchschnittlichen Strandaufenthalt von acht Stunden immerhin sechs
ansprechende Damen pro Stunde. Eine pro zehn Minuten.
Ich muss also theoretisch alle zehn Minuten meinen,
wohlgemerkt naturgegebenen, Sexualtrieb unterdrücken. Auch das ist möglich,
muss sogar möglich sein, um in einer Gesellschaft funktionieren zu können. Aber
muss das denn gleich inflationär geschehen? Natürlich sind wir Männer keine
armen Dinger, die sich machtlos der Natur ergeben müssen und die jeder Anblick
einer nackten Brust sexuell erregt. Wir sind keine nach weiblichem Fleisch
lechzenden Tiere. Wir haben das im Griff. Nur wird dieses „Im Griff haben“ mit
der Zunahme an optischen Reizen bestimmt nicht einfacher. „Selber schuld“,
werden einige Damen nun entgegenhalten. Nein, es ist kein Verbrechen durch eine
attraktive Frau erregt zu werden. Es ist hingegen unanständig das als wildfremde
Frau in der Öffentlichkeit zu provozieren.
Die Brust
zur Attraktion männlicher Partner
Nur um es ein für alle Mal klarzustellen: Evolutionsbiologen haben
erkannt, dass die Hauptfunktion der weiblichen Brust nicht mehr zwingend das
Füttern und Stillen des Nachwuchses ist, sondern die Attraktion männlicher
Partner. So gelten Brüste aus Sicht des Mannes als besonderer Indikator für die
„Fitness“ einer Frau. Ganz im Stile von „Hey, schau mal, meine Wirbelsäule
vermag sogar solch grosse Brüste zu tragen, die nebenbei auch noch aus sehr
energieaufwändigem Fettgewebe bestehen. Wäre so eine „fitte“ Frau nicht was für
dich?“. Nacktheit ist aus evolutionsbiologischer Sicht eben nicht einfach nur
Nacktheit. Und nackte Brüste nicht einfach nur nackte Brüste, sondern haben
eine Funktion (Wer sich näher dafür interessiert, dem empfehle ich das Buch
„Der Busen“ von Florence Williams).
Deshalb werde ich mit einer nackten Brust auch in Zukunft mehrheitlich
etwas Sexuelles verbinden. Zumindest dort, wo es angebracht ist (dass es dies
beim Anblick der mütterlichen Brust natürlich nicht ist, versteht sich von
selbst).
Vielleicht auch einfach deshalb, weil ich mir diesen Zauber,
den für mich eine Brust umhüllt, nicht von irgendwelchen emanzipierten Theorien
um „Glüschtler“ und „sein Ding nicht im Griff habenden Spannern“ kaputt machen
lassen will. Ich bin gerne ein Mann und stehe zu meiner Natur. Ich lasse mir
die Freude an der weiblichen Brust nicht von „vernünftigen“ Dummschwätzern
abtrainieren, die es zum Wohle der unfairen Gesellschaft natürlich begrüssen,
dass jede Frau das Recht hat, ihren Busen der Welt zu präsentieren und es am
Manne liege, diesen Reizen gefälligst zu widerstehen.
Nein, ich möchte eine schöne Brust attraktiv und erregend
finden dürfen!
Deshalb, liebe Damen: Auch wenn es rechtlich geduldet wird
und für euch optisch ansprechender erscheinen mag. Auch wenn es vielleicht ein
klitzekleinwenig angenehmer zu tragen (oder eben nicht zu tragen) ist. Stoppt
diesen Trend an öffentlichen Stränden und kehrt zurück zum altehrwürdigen
Bikini-Zweiteiler, der sowohl eure primären wie auch eure sekundären
Geschlechtsteiler bedeckt. Denn für euch „Blüttler“ (wertungsfrei!), die ihr
aus Leidenschaft oder sonstigen Gründen euch lieber nackt sonnt, gibt es weiss
Gott genug FKK-Zonen, in denen ihr euch unter euresgleichen bräunen könnt, ohne
damit irgendjemanden zu belästigen. Ich mag es nicht, wenn mir nackte Brüste
inflationär aufs Auge gedrückt werden!
Vielen Dank, ich werde euch lieben dafür!
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