Als erstes fällt mir als „Neu- Erstklässler“ auf, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben auf der Anzeige am Gleis nicht nur versichere, in den richtigen Zug einzusteigen, sondern dass ich auch die Angaben zur Zugskomposition beachte. Da es bedeutend weniger Erstklasse- Wagen gibt als andere ist es wichtig, schon vor der Einfahrt zu wissen, wo man stehen muss. Die Erfahrung zeigt: Erstklasse- Wagen gibt es nahezu immer an der Zugspitze und ganz hinten. Je nach Länge der Komposition auch noch vereinzelt in der Mitte. Weiter muss man wissen, dass es, je nach Alter des Wagens, ganz verschiedene Ausführungen gibt. Gewisse Funktionen sind aber in allen Typen dieselben und sind es wert, einmal kritisch bewertet zu werden:
- In der ersten Klasse sind die Sitze immer verstellbar. Das heisst man kann den Sitzwinkel etwas verstellen, so dass man gemütlicher reisen kann. Entweder hat es dafür einen kleinen Hebel unterhalb oder seitlich des Sitzes oder man übt mit dem Hintern einfach etwas Druck nach vorne aus, der Rest geschieht dann von selbst.
Fazit: Für längere Reisen ist diese Funktion bestimmt hilfreich, da man effektiv bequemer sitzt. Für eine kurze Pendlerfahrt nach Zürich hingegen kann man gut darauf verzichten.
- Weiter sind die Wagen der ersten Klasse einiges geräumiger. Dieser zusätzliche Platz wird damit erreicht, dass nicht beide Seiten mit Vierer-Abteilen ausgestattet sind, sondern eine Vierer und eine Zweier Kombination vorhanden ist. So wirkt die ganze Atmosphäre etwas lockerer und ungezwungener.
Fazit: Chabis! Ist zwar angenehm aber alles andere als notwendig.
- Die Sitze in der ersten Klasse sind etwas komfortabler. Wie stark dieser Unterschied ist, kommt aber ziemlich auf den Wagen- Typ drauf an. Zum Beispiel gibt es den bekannten, blauen Doppelstock- Zug der SBB. Wer dort in die erste Klasse marschiert, der erkennt keinen grossen Unterschied zur zweiten Klasse. Die Sitze sind nahezu identisch. Wer aber in den modernen ICN, denjenigen mit den komischen Sprüchen an den Innenwänden, steigt, der wird sofort merken, wie bequem der Sitz eigentlich ist. Da sitzt man auf herrlich gepolsterten Ledersitzen mit einem kleinen Kissen am Kopf.
Fazit: Auch hier gilt: Für längere Fahrten sicherlich hilfreich, der normale Pendler könnte wohl aber auch auf diesen Komfort verzichten.
- Steckdosen! Ob du’s glaubst oder nicht, die Steckdose ist wohl mit der wichtigste Grund, wieso ein Mensch ein Erste-Klasse-Ticket kauft. Der Laptop ist nämlich ständiger Begleiter in der Ersten und eine Steckdose somit wahnsinnig hilfreich. Je nach Wagen- Typ gibt es zwei Steckdosen an der Seite unter dem Abfallkübel, hinten oben wo der Jackenhaken hängt oder in ganz modernen Zügen auch in der Armlehne. Wer ganz viel Pech hat erwischt einen alten Wagen, in dem es noch keine Steckdosen gibt. Dies ist dann natürlich äusserst nervig.
Fazit: DAS absolute Plus der ersten Klasse, sehr hilfreich und, wenn einmal gehabt, nicht mehr wegzudenken.
- Die Erste ist ruhiger als die Zweite. Neben der Steckdose ist dies der Wichtigste Unterschied. Kein Kindergeschrei, kein Gelächter (meistens) und keine überlauten Musikplayer. Wer arbeiten will, und das wollen die meisten in der Ersten, der ist auf Ruhe angewiesen.
Fazit: Sehr angenehm und hilft wirklich, wenn man lernen oder arbeiten möchte. In der zweiten Klasse wäre dies so nicht möglich.
- Die Elvetino- Minibar kommt einiges öfter vorbei.
Fazit: Naja, wenn man Kaffeetrinker ist vielleicht hilfreich, aber ansonsten eher unnötig?!
Dies sind wohl die gravierendsten Unterschiede zwischen den Klassen. Einige also effektiv sehr hilfreich und andere eher Pille Palle.
Wichtigste Erkenntnis aber ist: Wer erste Klasse fährt nicht weil er sich dazu berufen oder sich einer besseren Schicht angehörig fühlt sondern weil er die Zeit im Zug effektiver nutzen möchte, lernen möchte oder gewisse Arbeiten erledigen muss, der ist dort gut aufgehoben und profitiert von der ruhigeren und angenehmeren Atmosphäre. Wer sich hingegen dem Luxus hingegeben hat und unter „Erste Klasse“ technischen Schnick- Schnack erwartet, der wird enttäuscht sein.
Tja, wer sich die 1. Klasse leisten kann?
AntwortenLöschenDanke galileo! Ich werde beim nächsten Mal dran denken, wenn die Anzugträger sich mit einem genervten Blick durch die 2.-Klasse-Menschenmenge drücken...
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