Montag, 28. November 2011

Sprachen auch sprechen

Jeder erwartet, dass man sowohl Englisch wie auch Französisch sprechen kann. Am besten noch ein wenig Chinesisch und Russisch hinzu, damit der Sprachcocktail auch geniessbar ist. Fakt ist aber, dass die Mehrheit der Schüler, die gelernten Sprachen schlichtweg nicht ausreichend anwenden kann. 

Warum? Ganz einfach: Schon einmal überlegt, wieso Fussballer so gut Fussball spielen können? Oder wieso Eiskunstläufer so gut Eiskunstlaufen können? Wie wär‘s mit: weil sie so oft Fussball spielen? Oder weil sie so oft Eiskunstlaufen? 

So banal es auch klingen mag, genau diese blöden Antworten sind zutreffend! 

Anders gesagt: Übung macht den Meister. Tolle Erkenntnis, nicht wahr?

Natürlich musst du nicht meinen Blog lesen, um zu erkennen, dass an dieser alten Weisheit tatsächlich etwas dran ist. Viel wichtiger ist, die Schlussfolgerung auf das Erlernen von Sprachen zu übertragen: Wie soll ich eine Sprache beherrschen, die ich gar nie spreche? 

Genau an diesem Punkt setzt eine geniale Website an, die ich letzte Woche für mich entdeckt habe. Ihr Modell nennt sich „Sprachtandem". Auf www.erstenachhilfe.de findet man zahlreiche fleissige Leute aus aller Welt, deren Ziel es ist, eine Sprache durch deren Gebrauch auch wirklich zu beherrschen. 

Erst einmal auf der Seite registriert, sucht man sich einen Partner, der jene Sprache spricht, die man gerne lernen möchte. Mit diesem kann man dann in Kontakt treten und wunschweise per Mail, per Skype oder sich gar während einem persönlichen Gespräch zu unterhalten. Du fragst dich, wieso dieser das tun sollte? Ganz einfach: Weil du ihm im Gegenzug in deiner Muttersprache hilfst, seine gewünschte Sprache zu lernen. Eben halt ein Sprachtandem. 

Dies klingt dann etwa so: Suche Französisch, biete Deutsch. Melden kann sich dann jeder, dessen Anzeige „Suche Deutsch, biete Französisch“ lautet. 

Via integrierter Nachrichtenfunktion kann man sich dann kontaktieren und abmachen, in welcher Form, in welchen Zeitabständen, mit welchem Medium usw. man sich unterhalten möchte.

Wer das Ganze etwas seriös angeht, findet sofort einen passenden Partner und wird seine ersten Erfahrungen mit dem Sprachtandem machen können. 

Mein abschliessendes Fazit fällt äusserst positiv aus: Am besten so früh wie möglich ein, zwei Französisch sprechende sowie ein paar Englisch sprechende Sprachtandems zulegen und dann fleissig drauf los schreiben! Nach ein paar schriftlichen Konversationen getraut man sich dann vielleicht sogar einmal an ein mündliches Gespräch, via Skype oder per Handy. 

Egal wie, wo oder wann: Hauptsache der Fussballspieler spielt Fussball!

Montag, 21. November 2011

Der Uhr

Es ist ja wirklich nicht einfach heut zu tage noch gute Werbung zu machen. Wer die Spots von LC1 kennt oder die wahnsinnig authentischen Strassenumfragen in den Putzmittelwerbungen der weiss: Nein, das ist es wirklich nicht. Wie man es richtig machen könnte, das zeigte eine Werbekampagne aus der Schweiz. Von 1999 bis 2005 bewarb die Schweizer Uhrenfirma IWC ihre Produkte mit viel Witz und Ironie, so dass es in Zeiten teilweise katastrophaler Werbung umso mehr Spass macht ein wenig zurückzuschauen:


Die Idee der IWC ist einfach: Eine IWC ist eine Männeruhr. Richtige Männer haben demnach eine IWC zu tragen. Auf diese Grundmessage liessen die IWC zahlreiche Plakate mit herrlichen Sprüchen folgen, hier einige Beispiele:


Herrlich! Wir alle leben aber schon zu lange in der Schweiz um zu wissen, dass eine solche Kampagne nicht ohne Aufschrei der Bevölkerung über die Bühne gehen kann. Natürlich haben sich zahlreiche Feministinnen lautstark beklagt. Von "political correctness" die missachtet wurde usw. war die Rede. Schlussendlich landete die Kampagne vor der Lauterkeitskommission der Schweiz.

Die Lauterkeitskommission ist eine Art Selbstkontrolle, unter anderem auch der Werbebranche. Jeder der einen Zeitungsbericht, eine Fernsehwerbung, ein Radiointerview usw. irgendwie problematisch findet, der kann sich bei der Lauterkeitskommission beschweren.

Eine Frau hat Beschwerde eingelegt, die Kampagne sei geschlechterdiskriminierend. Die Lauterkeitskommission entschied dann aber zugunsten der IWC. Die Kampagne sei offensichtlich ironisch und die Mehrheit der Bevölkerung würde diese auch so auffassen. Weiter seien die Sprüche eher männerfreundlich als frauenfeindlich.

Noch besser als die Tatsache, dass solche Art Werbung in der ewig kritisierenden Schweiz möglich ist, ist die Reaktion der IWC auf dieses "Urteil":




Und so endete 2005 eine wunderbare Werbekampagne die so schnell niemand vergisst. Weder die Männer, noch die Frauen. Zum Schluss nochmals ein kleines Müsterchen, welches, meiner Meinung nach, das Beste Plakat der Kampagne darstellt. Um das Ganze auf den Punkt zu bringen hätte man nämlich einfach dieses Plakat nehmen können:

Montag, 7. November 2011

zufrieden sein! (?)

Grundsätzlich halte ich nicht viel von Studien. Normalerweise stehen irgendwelche Wissenschaftler dahinter, die nach gewissen Regeln (die kein Mensch versteht) eine gewisse Zielgruppe definieren, die in Alter, Bildung usw. in etwa der Bevölkerung entsprechen soll. Die Ergebnisse aus der Befragung von diesem vielleicht tausend-Mann-starken Abbild der Gesellschaft soll dann Rückschlüsse zulassen, die für die ganze Schweiz, ganz Europa oder vielleicht für die ganze Welt gelten sollen.

ABER: Natürlich gibt es auch unter den Studien Ausnahmen. Eine solche ist mir heute Morgen in einer Vorlesung aufgefallen. Unter dem einfachen Titel "Der Vortrag" wurde folgendes herausgefunden:

In den USA treffen sich jährlich die Verantwortlichen für das Weiterbildungsprogramm der University of Southern California School of Medicine zu einer Konferenz, so auch im Sommer 1970. Das hochgebildete Fachpublikum wohnte dann auch dem ersten Vortrag eines gewissen Myron L. Fox, seinerseits als "Autorität auf dem Gebiet der Anwendung von Mathematik auf menschliches Verhalten" bekannt, bei.

Was sie jedoch nicht wussten war, dass dieser Myron L. Fox in Wirklichkeit Schauspieler war und von dem Vortragsthema aber so was von gar keine Ahnung hatte. Seine Aufgabe bestand darin, mit leeren Worthülsen, geschickter Vortragstechnik und verwirrenden Sätzen dafür zu sorgen, dass das Publikum sein Unwissen nicht bemerken würde.

All das war natürlich Übungsanlage für eine Studie, die aufklären wollte, ob es möglich ist mit brillanter Vortragstechnik eine Gruppe von Experten so hinters Licht zu führen, dass diese den inhaltlichen Nonsens nicht bemerken würden.

Nun die Frage: Was denkst du, wie viele der Teilnehmer haben den Schwindel bemerkt? (Das ist jetzt eine ernste Frage, bevor du also, wie sonst auch immer, einfach weiterliest, überlegst du dir nun eine Zahl!)

Genau, niemand. Kaum war der Vortrag zu Ende begannen die Experten fleissig Fragen zu stellen. Diese wurden vom Schauspieler wiederum wortgewandt NICHT beantwortet. Auf dem Beurteilungsbogen der nach der Tagung versandt wurde gaben dann alle zehn Zuhörer an, der Vortrag habe sie zum Denken angeregt. Neun fanden zudem, Fox habe das Material gut geordnet, interessant vermittelt und ausreichend erklärende Beispiele eingebaut.

Die Experten liessen sich also vom Stil des Vortrags blenden und sich über dessen dürftigen Inhalt hinwegtäuschen. Weitere Experimente kamen zum selben Ergebnis, so dass diese Tatsache schon bald als "Dr.-Fox Effekt" bezeichnet wurde.

Und die Moral der Geschicht': Die Resultate lassen an der Aussagekraft von Unterrichtsevaluationen zweifeln. Wenn beispielsweise Studenten auf Fragebogen eine Lehrveranstaltung beurteilen, zeigt sich darin möglicherweise nicht viel mehr als ihre Zufriedenheit und eine daraus entstehende Illusion, etwas gelernt zu haben. Und die Kernaussage der Studie: "Unterrichten besteht aus viel mehr, als nur die Studenten glücklich zu machen."

Es entstand im Anschluss an die Studie die Diskussion, ob Schauspieler vielleicht sogar die besseren Lehrer seien? Vielleicht sogar die besseren Parlamentarier? Präsidenten?

Ob das stimmt, ich weiss es nicht. Fakt ist: Wenige Jahre später wurde Ronald Reagan Präsident der USA, seinerseits Schauspieler.


Quellen: NZZ Folio 10/04, "Das Experiment -- Hochstapler im Hörsaal", Reto U. Schneider