Wie auch immer, die nächste halbe Stunde verbrachte ich vor
Wut schäumend auf einer Sitzbank am Bahnhof Liestal. Da ich als Pendler solche
Situationen, äusserst ärgerliche Situationen muss man dazu sagen, schon öfters
erlebt habe, wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Warum wartet ein
Chauffeur gewisse Anschlüsse ab, während ein anderer dies nicht tut? Also habe
ich mich bei der verantwortlichen Autobus AG Liestal gemeldet. Was ich dann als
Antwort erhielt war derart horizonterweiternd, dass ich jedem Pendler empfehle,
jetzt weiterzulesen.
Die erste wichtige Erkenntnis: Das Abwarten von verspäteten
Zügen ist nicht etwa ein willkürlicher Akt, je nach Lust und Laune des
Buschauffeurs, sondern ist minutengenau definiert, wie die Antwort von René
Hertner, Leiter Betrieb öffentlicher Verkehr der AAGL, zeigt:
„Die Anschlüsse sind
über unser Betriebsleitsystem innerhalb zeitlicher Bereiche definiert. Im
Zeitbereich 18 - 21 Uhr können Züge mit Einfahrt innerhalb 3 Minuten ab
fahrplanmässiger Busabfahrt noch abgewartet werden. Der Bus der Linie 70 mit
Abfahrt um 18.35 kann gemäss dieser Regel bis 18.38 warten. Züge mit Einfahrt
bis 18.35 können demnach noch abgewartet werden. In diesen 3 Minuten Wartezeit
ist die Umsteigezeit eingerechnet, und diese ist bei Zügen vom Perron 3
notwendig.“
So weit, so gut. Stellt sich noch die Frage, wie der
entsprechende Buschauffeur denn weiss, ob ein Zug verspätet ist oder nicht.
Auch hierzu hat Hertner die passende Antwort:
„Verspätungsmeldungen
werden vom System automatisch generiert und via Datenfunk auf unsere Fahrzeuge
übermittelt. Der beteiligte Fahrer erhielt um 18 Uhr 32 die Meldung auf sein
Display im Fahrzeug: "IR Richtung Basel verspätet, Anschluss kann nicht
abgewartet werden". So startete er korrekt um 18 Uhr 35. Diese Meldungen
werden protokolliert und können jederzeit Überprüft werden.
„Grundsätzlich war
die Meldung der SBB korrekt“
Okey, der Busfahrer hat die Meldung erhalten, dass der Zug
verspätet sein WIRD. Die entscheidende Frage ist jetzt nur noch, wann der Zug
denn tatsächlich eingefahren IST. Und genau da liegt der Hund begraben:
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Auf der Strecke Luzern
– Basel beispielsweise sind unzählige Signalanlagen platziert. So ist es den
SBB möglich, jederzeit über Verspätungen im Bild zu sein.
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Heute jedoch steht für mich fest: das System hat recht. Auch
wenn der Zug um 18 Uhr 35‘ und 01‘‘ eingefahren wäre, wäre er gemäss
Richtlinien der AAGL zu spät gewesen, um die Einfahrt abzuwarten. Also braucht
man 24 Sekunden später gar nicht erst zu diskutieren, ob der Chauffeur hätte
warten sollen oder nicht.
Irgendwie wünsche ich mir in solchen Momenten trotzdem den „alten“
Buschauffeur zurück. Den mit dem gesunden Menschenverstand, der kurz vor
Abfahrt nochmals aufs Gleis schielt und so wohl bemerkt hätte, dass gerade der
verspätete Interregio eingefahren ist.

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