Mittwoch, 1. August 2012

Drei Tage, zwei Freunde, ein Ziel: Einmal quer durch die Schweiz


Endlich! Um genau 18:14 Uhr glitzerte uns die Wasseroberfläche des Luganersee am Horizont entgegen: Nach 314 Kilometern, rund 3500 überwundenen Höhenmetern und kräftezehrenden 22,5 Stunden auf dem Velo, wurde das niemals für möglich gehaltene wahr: Wir Amateure, totale Nicht-Velofahrer und bekennenden Heimscheisser, fuhren ohne auch nur einen einzigen gelaufenen, gerobbten oder motorisiert zurückgelegten Zentimeter  in Lugano ein. Als Erinnerung bleibt: Der Husarenritt unseres Lebens!

Der Plan:

Einmal quer durch die Schweiz, und zwar mit dem Velo:

Team:                   Jonny, Bieri
Route:                  Nationale Nord-Süd-Route (Route 3)
Start:                    Liestal, Bahnhof
Ziel:                      Lugano, Bahnhof
Distanz:               314 Kilometer
Höhenmeter:        rund 3500 Meter
Etappen:              Tag 1: Liestal – Luzern
                             Tag 2: Luzern – Hospental
                             Tag 3: Hospental – Lugano

Etappe 1, Liestal - Luzern:

Montagmorgen: Die ganze Tour stand schon vor unserem Antritt unter einem schlechten Stern. Ich hatte mir am Wochenende eine Bänderverletzung zugezogen und entschied erst am Vorabend, mit einer Gelenkstütze trotzdem anzutreten. Jonny verliess denselben Anlass wie ich mit einer Zehen-Prellung, die sich bald FCB-mässig rot-blau verfärbte. 

Allen Schmerzen zum Trotz: Wir verschoben pünktlich und wie abgemacht früh morgens nach Liestal, um dort unsere Mietvelos abzuholen. Im Schlepptau je zwei Velotaschen gefüllt mit Bidons, Wechselkleidung und Riegel für zwischendurch sowie einem Koffer.  Diesen übergaben wir am Bahnhof den SBB mit der Bitte, ihn doch für uns nach Lugano zu liefern. Dies taten sie dann auch – nach Bezahlung der entsprechenden Gebühr. 

Nach ersten kleinen Probefahrten auf den unbekannten Velos, der Velotaschen-Montage und einem letzten Blick in die Karte, entstand dann dieses Foto:

08:30 Uhr: Abfahrt an der Velostation Liestal

Und so ging es endlich los! Die erste Etappe sollte uns von Liestal 94 Kilometer weiter bis nach Luzern führen. Grösste Schwierigkeit auf dem Teilstück würde wohl die Schafmatt zu Oltingen darstellen. Die auf 840 Metern gelegene Höhe ist Teil des Juragebirges und trennt mitunter die Kantone Baselland und Solothurn. Bereits nach einer Stunde erreichten wir den Fuss dieses Aufstiegs in Rothenfluh. Völlig unerfahren und unwissend schalteten wir also ein paar Gänge zurück und strampelten munter den Berg hinauf. Bereits nach wenigen Minuten begannen die Oberschenkel-Muskeln auf der teils extrem steilen Strecke zu brennen. Etwas geschockt von der Intensität des Aufstiegs setzten wir uns ein erstes Mal an den Strassenrand. Welche Kraftausdrücke dann folgten, lassen wir an dieser Stelle beiseite. Ja kann das denn wirklich wahr sein, dass wir bereits jetzt an unsere Leistungsgrenze stossen? Unsere Oberschenkel antworteten auf diese Frage bereits mit einem leichten Nicken, unsere Dickschädel hingegen winkten vehement ab!  Also ging es weiter im Schneckentempo und mit viel viel Wille. Endlich entdeckten wir das Ortsschild von Anwil. Geschafft! Völlig durchnässte T-Shirts, schwitzige Hände und brennende Oberschenkel erhielten eine Auszeit um dann, nach einer kurzen Abfahrt – nein, jetzt aber nicht im Ernst oder? – oh doch, zum nächsten Anstieg zu gelangen. Gemäss Karte war der Aufstieg nach Anwil bestenfalls die Aufwärmrunde gewesen für das, was nun folgte. Doppelt so lange und noch einmal etwas steiler führte der Weg durch den Wald hoch auf die Schafmatt. Und erstmals kamen klitzekleine Zweifel auf, ob wir uns vielleicht nicht doch etwas übernommen hatten?! Nach jedem Rank gleich nochmals einer. Die Hoffnung, der nächste würde wohl der letzte Sein, wurde gleich mehrmals jäh begraben.

Mit unglaublich viel Kampf, tollem Einsatz und einer grandiosen Willensleistung trafen wir um ca. 10:30 Uhr dann doch noch auf dem Gipfel ein und dürfen im Nachhinein stolz sagen: Dieser Aufstieg bleibt auch nach dem Ende der Tour immer noch einer der härtesten, den wir gepackt hatten!

Herrliche Aussicht in Richtung Baselbiet...
...und in Richtung Solothurn.
Wenigstens ist die Natur so fair und liefert nach beinahe jedem grässlichen Aufstieg auch gleich eine rasante und spassige Abfahrt nach. So auch jetzt, als wir mit teilweise rund 60 km/h und einer gehörigen Portion Stolz ob dem Geleisteten in Richtung Rohr SO sausten. An dieser Stelle deshalb ein recht herzliches Dankeschön an Mutter Natur. Über Stüsslingen fuhren wir dann bis an das Ufer der Aare und diesem entlang bis nach Aarau, wo wir unseren Mittagshalt machten. Als klassische Sportlernahrung hatten wir uns Hackbraten mit Kroketten und Bohnen ausgesucht. Vielleicht hätte man jetzt auch ein anderes Menu wählen können…naja…Geschmeckt hat es jedenfalls ausgezeichnet.

40 Kilometer hatten wir also bereits zurückgelegt und weitere 30 sollten uns nun zu unserem zweiten Zwischenziel bringen: Nach Sursee, zur anschliessenden Fahrt entlang des Sempachersees. 

Eigentlich hätte ja wettermässig alles gepasst: Blauer Himmel, Sonne satt und angenehme Temperaturen – wäre da nicht dieser fiese Gegenwind gewesen. Das Teilstück bis nach Sursee wäre grundsätzlich ein einfaches gewesen, zwar stetig etwas steigend, aber doch viel gerade aus. Dieser äusserst gemeine, richtig fiese und fast schon hinterhältige Gegenwind sorgte aber dafür, dass sogar dieses Stück zur Prüfung wurde. Unnötig viel Gestrampel, eine eher bescheiden schöne Landschaft und die Tatsache, dass 30 Kilometer gerade aus sehr sehr lang sein können, machten dieses Teilstück zu einem der mühsamsten der Tour. 

Nach ziemlich genau fünf Stunden reiner Fahrzeit erreichten wir dann endlich das wunderschöne Städtchen Sursee (Tatsächlich einmal einen Ausflug wert!). Nach der anstrengenden Fahrt ab Aarau, genossen wir die paar Kilometer entlang des Sempachersees umso mehr und erfreuten uns an dem herrlichen Landschaftsbild. Wasser, Berge, Sonnenschein: Einfach nur herrlich!

Blick über den Sempachersee. Im Hintergrund türmen sich bereits die Berge...
Der isotonische Freund - bei diesen Temperaturen unverzichtbar!

Stärkung für das letzte Teilstück
Mittlerweile hatte es bereits 16:00 Uhr geschlagen. Das letzte Teilstück des Tages enthielt noch einmal einen mittleren Anstieg und danach eine kleine Abfahrt, die wir in gut einer Stunde hinter uns brachten um dann, punkt 17:00 Uhr, endlich in der Jugendherberge Rotsee anzukommen. 

Yes!!!
Nach der wohlverdienten Dusche und einer ordentlichen Menge Perskindol an den Oberschenkeln, wagten wir uns nach langem hin und her am Ende doch noch auf einen kleinen Ausflug in die Stadt. Dort machten wir es uns beim Italiener gemütlich und liessen den Tag bei einem kühlen Bier ausklingen.

Traumhafte Bilder zum Abschluss einer strengen ersten Etappe.


Etappe 1 in Zahlen:

Kilometer:                                         94 km
Durchschnittsgeschwindigkeit:        14,5 km/h
Fahrzeit:                                            6,5 Stunden
Reisezeit:                                          8,5 Stunden

Am kommenden Tag würde uns die wohl strengste Etappe der Tour bevor stehen. Entlang des Vierwaldstädtersees hoch hinauf nach Andermatt. Den Bericht dazu gibts in Bälde.

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