Endlich! Um genau 18:14 Uhr glitzerte uns die
Wasseroberfläche des Luganersee am Horizont entgegen: Nach 314 Kilometern, rund
3500 überwundenen Höhenmetern und kräftezehrenden 22,5 Stunden auf dem Velo,
wurde das niemals für möglich gehaltene wahr: Wir Amateure, totale
Nicht-Velofahrer und bekennenden Heimscheisser, fuhren ohne auch nur einen einzigen
gelaufenen, gerobbten oder motorisiert zurückgelegten Zentimeter in Lugano ein. Als Erinnerung bleibt: Der
Husarenritt unseres Lebens!
Der Plan:
Einmal quer durch die Schweiz, und zwar mit dem Velo:
Team: Jonny,
Bieri
Route: Nationale Nord-Süd-Route (Route 3)
Start: Liestal, Bahnhof
Ziel: Lugano, Bahnhof
Distanz: 314 Kilometer
Höhenmeter: rund 3500 Meter
Etappen: Tag 1: Liestal – Luzern
Tag 2: Luzern – Hospental
Tag 3: Hospental – Lugano
Route: Nationale Nord-Süd-Route (Route 3)
Start: Liestal, Bahnhof
Ziel: Lugano, Bahnhof
Distanz: 314 Kilometer
Höhenmeter: rund 3500 Meter
Etappen: Tag 1: Liestal – Luzern
Tag 2: Luzern – Hospental
Tag 3: Hospental – Lugano
Etappe 1, Liestal - Luzern:
Montagmorgen: Die ganze Tour stand schon vor unserem Antritt
unter einem schlechten Stern. Ich hatte mir am Wochenende eine Bänderverletzung
zugezogen und entschied erst am Vorabend, mit einer Gelenkstütze trotzdem
anzutreten. Jonny verliess denselben Anlass wie ich mit einer Zehen-Prellung,
die sich bald FCB-mässig rot-blau verfärbte.
Allen Schmerzen zum Trotz: Wir verschoben pünktlich und wie
abgemacht früh morgens nach Liestal, um dort unsere Mietvelos abzuholen. Im
Schlepptau je zwei Velotaschen gefüllt mit Bidons, Wechselkleidung und Riegel
für zwischendurch sowie einem Koffer. Diesen
übergaben wir am Bahnhof den SBB mit der Bitte, ihn doch für uns nach Lugano zu
liefern. Dies taten sie dann auch – nach Bezahlung der entsprechenden Gebühr.
Nach ersten kleinen Probefahrten auf den unbekannten Velos,
der Velotaschen-Montage und einem letzten Blick in die Karte, entstand dann
dieses Foto:
| 08:30 Uhr: Abfahrt an der Velostation Liestal |
Und so ging es endlich los! Die erste Etappe sollte uns von
Liestal 94 Kilometer weiter bis nach Luzern führen. Grösste Schwierigkeit auf
dem Teilstück würde wohl die Schafmatt zu Oltingen darstellen. Die auf 840
Metern gelegene Höhe ist Teil des Juragebirges und trennt mitunter die Kantone
Baselland und Solothurn. Bereits nach einer Stunde erreichten wir den Fuss
dieses Aufstiegs in Rothenfluh. Völlig unerfahren und unwissend schalteten wir
also ein paar Gänge zurück und strampelten munter den Berg hinauf. Bereits nach
wenigen Minuten begannen die Oberschenkel-Muskeln auf der teils extrem steilen
Strecke zu brennen. Etwas geschockt von der Intensität des Aufstiegs setzten
wir uns ein erstes Mal an den Strassenrand. Welche Kraftausdrücke dann folgten,
lassen wir an dieser Stelle beiseite. Ja kann das denn wirklich wahr sein, dass
wir bereits jetzt an unsere Leistungsgrenze stossen? Unsere Oberschenkel
antworteten auf diese Frage bereits mit einem leichten Nicken, unsere Dickschädel
hingegen winkten vehement ab! Also ging
es weiter im Schneckentempo und mit viel viel Wille. Endlich entdeckten wir das
Ortsschild von Anwil. Geschafft! Völlig durchnässte T-Shirts, schwitzige Hände
und brennende Oberschenkel erhielten eine Auszeit um dann, nach einer kurzen
Abfahrt – nein, jetzt aber nicht im Ernst oder? – oh doch, zum nächsten Anstieg
zu gelangen. Gemäss Karte war der Aufstieg nach Anwil bestenfalls die
Aufwärmrunde gewesen für das, was nun folgte. Doppelt so lange und noch einmal
etwas steiler führte der Weg durch den Wald hoch auf die Schafmatt. Und
erstmals kamen klitzekleine Zweifel auf, ob wir uns vielleicht nicht doch etwas
übernommen hatten?! Nach jedem Rank gleich nochmals einer. Die Hoffnung, der
nächste würde wohl der letzte Sein, wurde gleich mehrmals jäh begraben.
Mit unglaublich viel Kampf, tollem Einsatz und einer
grandiosen Willensleistung trafen wir um ca. 10:30 Uhr dann doch noch auf dem
Gipfel ein und dürfen im Nachhinein stolz sagen: Dieser Aufstieg bleibt auch
nach dem Ende der Tour immer noch einer der härtesten, den wir gepackt hatten!
| Herrliche Aussicht in Richtung Baselbiet... |
| ...und in Richtung Solothurn. |
Wenigstens ist die Natur so fair und liefert nach beinahe
jedem grässlichen Aufstieg auch gleich eine rasante und spassige Abfahrt nach.
So auch jetzt, als wir mit teilweise rund 60 km/h und einer gehörigen Portion
Stolz ob dem Geleisteten in Richtung Rohr SO sausten. An dieser Stelle deshalb
ein recht herzliches Dankeschön an Mutter Natur. Über Stüsslingen fuhren wir
dann bis an das Ufer der Aare und diesem entlang bis nach Aarau, wo wir unseren
Mittagshalt machten. Als klassische Sportlernahrung hatten wir uns Hackbraten
mit Kroketten und Bohnen ausgesucht. Vielleicht hätte man jetzt auch ein
anderes Menu wählen können…naja…Geschmeckt hat es jedenfalls ausgezeichnet.
40 Kilometer hatten wir also bereits zurückgelegt und
weitere 30 sollten uns nun zu unserem zweiten Zwischenziel bringen: Nach Sursee, zur anschliessenden Fahrt entlang des Sempachersees.
Eigentlich hätte ja wettermässig alles gepasst: Blauer
Himmel, Sonne satt und angenehme Temperaturen – wäre da nicht dieser fiese
Gegenwind gewesen. Das Teilstück bis nach Sursee wäre grundsätzlich ein
einfaches gewesen, zwar stetig etwas steigend, aber doch viel gerade aus.
Dieser äusserst gemeine, richtig fiese und fast schon hinterhältige Gegenwind sorgte
aber dafür, dass sogar dieses Stück zur Prüfung wurde. Unnötig viel Gestrampel,
eine eher bescheiden schöne Landschaft und die Tatsache, dass 30 Kilometer gerade
aus sehr sehr lang sein können, machten dieses Teilstück zu einem der
mühsamsten der Tour.
Nach ziemlich genau fünf Stunden reiner Fahrzeit erreichten
wir dann endlich das wunderschöne Städtchen Sursee (Tatsächlich einmal einen
Ausflug wert!). Nach der anstrengenden Fahrt ab Aarau, genossen wir die paar
Kilometer entlang des Sempachersees umso mehr und erfreuten uns an dem
herrlichen Landschaftsbild. Wasser, Berge, Sonnenschein: Einfach nur herrlich!
| Blick über den Sempachersee. Im Hintergrund türmen sich bereits die Berge... |
| Der isotonische Freund - bei diesen Temperaturen unverzichtbar! |
| Stärkung für das letzte Teilstück |
Mittlerweile hatte es bereits 16:00 Uhr geschlagen. Das
letzte Teilstück des Tages enthielt noch einmal einen mittleren Anstieg und
danach eine kleine Abfahrt, die wir in gut einer Stunde hinter uns brachten um dann,
punkt 17:00 Uhr, endlich in der Jugendherberge Rotsee anzukommen.
| Yes!!! |
Nach der wohlverdienten Dusche und einer ordentlichen Menge Perskindol an den Oberschenkeln, wagten wir uns nach langem hin und her am Ende doch noch auf einen kleinen Ausflug in die Stadt. Dort machten wir es uns beim Italiener gemütlich und liessen den Tag bei einem kühlen Bier ausklingen.
| Traumhafte Bilder zum Abschluss einer strengen ersten Etappe. |
Etappe 1 in Zahlen:
Kilometer: 94 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,5 km/h
Fahrzeit: 6,5 Stunden
Reisezeit: 8,5 Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,5 km/h
Fahrzeit: 6,5 Stunden
Reisezeit: 8,5 Stunden
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