Montag, 12. November 2012

Karnevals-Playlist: So klingt der köllsche Karneval

Nun ist es offiziell: Die Karnevals-Session 2012/2013 ist eröffnet! Unter dem Motto "Fastelovend em blot, he un am Zockerhot" (Karneval im Blut, hier und am Zuckerhut -> spielt auf die Städtepartnerschaft zwischen den Karnevalsverrückten Städten Rio und Köln an) feierten in Köln tausende von Fasnachtsbegeisterten den Auftakt. Und zu einer richtigen Feier, da gehört auch die richtige Musik.

Ich muss zugeben: Mir persönlich war nie bewusst, welch unglaubliches Repertoire an Stimmungsmusik in Köln vorhanden ist. Natürlich, da sind "De Höhner", die mit ihrem "Viva Colonia" und "Wenn nicht jetzt, wann dann?" auch zu uns vorgedrungen sind. Aber Bands wie "Brings", "Paveier" oder "de Räuber" waren für mich, bis anhin, unbekannt. Leider.

Hier habe ich für euch meine liebsten köllsche Stimmungslieder  zusammengestellt:

1. Liebchen - De Höhner
2. Buenos Dias Matthias - Paveier
3. Poppe, Kaate, Danze - Brings
4. Sulang mer noch am lääve sin - Brings
5. Der liebe Gott weiss, dass ich kein Engel bin - De Höhner
6. Nemm mich su wie ich bin - De Höhner
7. Ich habe was, was du nicht hast - De Räuber
8. Superjeilezick - Brings
9. Wir sind Köllsche us Kölle am Rhing - Paveier
10. Dat jeiht vorbei - Paveier
11. Denn wenn et Trömmelche jeht - De Räuber
12. Pirate - Kasalla
13. Wo mir sin is Kölle - De Höhner
14. Schenk mir dein Herz - De Höhner

Und natürlich der Klassiker schlechthin: Hey Kölle du bes e Jeföhl - De Höhner

Ab auf Youtube  und ein paar Minuten im Karnevalstreiben versinken :-) Ah, und übrigens, wenn sich jemand dafür interessiert, WAS denn da überhaupt gesungen wird (man kann sichs einigermassen zusammenreimen), dann gehts hier zum Köllsch-Wörterbuch.

Montag, 8. Oktober 2012

25 Sekunden - oder warum ich in Liestal den Bus verpasste

Langsam fährt der Zug in Liestal ein. Ich schaue auf die Uhr: Es ist 18:35. „Jetzt aber vollgas“, denke ich mir und positioniere mich sicherheitshalber schon einmal an der Tür. Der Zug wird immer langsamer, bis er schlussendlich still steht und seine Türen öffnet. Im Tempo eines gehetzten Affen springe ich aus dem Wagon und schlängle mich wendig wie eine afrikanische Wüstenantilope durch die Unterführung hinüber zum Busbahnhof. Doch was ich hoffte, dort anzutreffen, war leider nicht (mehr) zu sehen. Der Bus der Linie 70, der mich normalerweise nach Bubendorf bringt, war weg. Aber warum? Gemäss Fahrplan startet der 70er-Bus um 18:35 und hätte doch eigentlich den gleichzeitig einfahrenden Zug sehen müssen?

Wie auch immer, die nächste halbe Stunde verbrachte ich vor Wut schäumend auf einer Sitzbank am Bahnhof Liestal. Da ich als Pendler solche Situationen, äusserst ärgerliche Situationen muss man dazu sagen, schon öfters erlebt habe, wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Warum wartet ein Chauffeur gewisse Anschlüsse ab, während ein anderer dies nicht tut? Also habe ich mich bei der verantwortlichen Autobus AG Liestal gemeldet. Was ich dann als Antwort erhielt war derart horizonterweiternd, dass ich jedem Pendler empfehle, jetzt weiterzulesen.
Abwarten von Anschlüssen klar definiert
Die erste wichtige Erkenntnis: Das Abwarten von verspäteten Zügen ist nicht etwa ein willkürlicher Akt, je nach Lust und Laune des Buschauffeurs, sondern ist minutengenau definiert, wie die Antwort von René Hertner, Leiter Betrieb öffentlicher Verkehr der AAGL, zeigt:

„Die Anschlüsse sind über unser Betriebsleitsystem innerhalb zeitlicher Bereiche definiert. Im Zeitbereich 18 - 21 Uhr können Züge mit Einfahrt innerhalb 3 Minuten ab fahrplanmässiger Busabfahrt noch abgewartet werden. Der Bus der Linie 70 mit Abfahrt um 18.35 kann gemäss dieser Regel bis 18.38 warten. Züge mit Einfahrt bis 18.35 können demnach noch abgewartet werden. In diesen 3 Minuten Wartezeit ist die Umsteigezeit eingerechnet, und diese ist bei Zügen vom Perron 3 notwendig.“

So weit, so gut. Stellt sich noch die Frage, wie der entsprechende Buschauffeur denn weiss, ob ein Zug verspätet ist oder nicht. Auch hierzu hat Hertner die passende Antwort:

„Verspätungsmeldungen werden vom System automatisch generiert und via Datenfunk auf unsere Fahrzeuge übermittelt. Der beteiligte Fahrer erhielt um 18 Uhr 32 die Meldung auf sein Display im Fahrzeug: "IR Richtung Basel verspätet, Anschluss kann nicht abgewartet werden". So startete er korrekt um 18 Uhr 35. Diese Meldungen werden protokolliert und können jederzeit Überprüft werden.

„Grundsätzlich war die Meldung der SBB korrekt“
Okey, der Busfahrer hat die Meldung erhalten, dass der Zug verspätet sein WIRD. Die entscheidende Frage ist jetzt nur noch, wann der Zug denn tatsächlich eingefahren IST. Und genau da liegt der Hund begraben:

 „Die Zugseinfahrt erfolgte dann um 18 Uhr 35' 25". Grundsätzlich war die Meldung der SBB korrekt.“


Auf der Strecke Luzern – Basel beispielsweise sind unzählige Signalanlagen platziert. So ist es den SBB möglich, jederzeit über Verspätungen im Bild zu sein.
Obwohl die Einfahrtszeit sekundengenau angegeben wird, ist mit einer Toleranz von +/- 30 Sekunden zu rechnen. Der Wert wird nämlich beim Überfahren einer Signalanlage generiert und nicht direkt bei Stillstand des Zuges. Dem scharfsinnigen Beobachter fällt jetzt auf, dass bei 30 Sekunden Toleranz und einer Verspätung von 25 Sekunden die klitzekleine Möglichkeit bestünde, dass der Buschauffeur zu früh abgefahren war. Aber wollen wir mal nicht so sein (hätte mich jemand an besagtem Abend gefragt, ob wir denn so sein wollen, ich glaube, eventuell, vielleicht, wäre meine Antwort anders ausgefallen).

Heute jedoch steht für mich fest: das System hat recht. Auch wenn der Zug um 18 Uhr 35‘ und 01‘‘ eingefahren wäre, wäre er gemäss Richtlinien der AAGL zu spät gewesen, um die Einfahrt abzuwarten. Also braucht man 24 Sekunden später gar nicht erst zu diskutieren, ob der Chauffeur hätte warten sollen oder nicht.

Irgendwie wünsche ich mir in solchen Momenten trotzdem den „alten“ Buschauffeur zurück. Den mit dem gesunden Menschenverstand, der kurz vor Abfahrt nochmals aufs Gleis schielt und so wohl bemerkt hätte, dass gerade der verspätete Interregio eingefahren ist.

Dienstag, 7. August 2012

Drei Tage, zwei Freunde, ein Ziel: Einmal quer durch die Schweiz (Teil 3)


Etappe 3:

Holzbett, rotweiss karierte Bettdecken und eine beinahe antike Lampe auf einem kleinen Holztisch in der Ecke: So stellt man sich ein gemütliches Chalet-Zimmer vor. In einem solchen durften wir nach den schier unmöglichen Strapazen des Vortages eine äusserst erholsame Nacht verbringen, was auch bitter nötig war, denn heute galt es unser Meisterstück zu vollenden: Nichts wollten wir mehr, als das langersehnte Foto auf der Passhöhe des Gotthards. 

Die Jugendherberge Hospental befindet sich direkt am Anfang der Passstrasse über den Gotthard, so dass es gerade einmal geschätzte sechs Sekunden dauerte, bis uns ein Schild freundlich darauf aufmerksam machte, dass wir in den nächsten neun Kilometern nochmals 603 Höhenmeter zu überwinden hatten. Kann man denn schöner in einen Tag starten als mit einer solchen Information? Ja, man kann.

Der grosse und entscheidende Unterschied zum mörderischen Aufstieg des Vortages jedoch war, dass wir ausgeschlafen und einigermassen voll bei Kräften in die Pedale treten konnten. Diesmal würde es also weniger eine physische als eine psychische Herausforderung werden, sich wieder einmal knapp zwei Stunden gegen den Berg zu stemmen. Links; rechts; links; rechts – immer und immer weiter schlängelten wir uns den Pass hinauf und trotz eigentlich angenehmer Morgentemperaturen, floss der Schweiss wie aus Kübeln. Der Blick nach oben wollte irgendwie nicht so recht verraten, ob die nächste Kurve eventuell die letzte sein könnte oder bloss der Anfang eines noch etwas steileren Teilstückes. Lächerliche 5,5 Stundenkilometer „schnell“ waren wir durchschnittlich unterwegs und langsam aber sicher war die Geduld am Ende. 

Blick nach hinten.
Sogar der ansonsten stets musikfreie Jonas („Ich ha nur mi Willä, das längt!“) steckte sich nun seine Kopfhörer in die Ohren, um seine Gedanken weg vom niemals-enden-wollenden Aufstieg zu lenken.  Und dann plötzlich, nach der Ausfahrt aus einem kalten Tunnel, schien die Strasse weit oben am Horizont irgendwie abzuflachen und bog links hinter einen Felsvorsprung ab. Ist es das? Ist es tatsächlich das, was ich glaube? Steht hinter diesem verdammten Felsen endlich dieses Schild? 

In solchen Momenten zeigt sich dann wieder, wie sehr unser Körper von unseren Gedanken gelenkt wird, denn vom einen auf den anderen Moment war es plötzlich möglich, das Tempo trotz schmerzender Oberschenkel etwas zu verschärfen. Als wären die letzten eineinhalb Stunden vergessen, zog es uns dank des nun aufkommenden Hoffnungsschimmers förmlich den Berg hinauf. Im Bauch ein Gefühl, dass man sonst nur als Kind kennt, und zwar genau in dem Moment, in dem Mami das definitive OK gibt: „Ja, wir fahren morgen in den Europapark“. Es kann sich nur noch um Sekunden handeln: Entweder treffen wir auf das Schild, oder es handelt sich einfach nur um eine weitere Kurve auf dem Weg nach oben. 

Und da stand es. Zuerst ganz klein, weit weg und kaum zu erkennen. Aber wir fühlten es. Es muss es sein. Dann wurde es immer grösser, das Blau war nun klar zu erkennen und nach weiteren fünfzig Metern konnten wir es lesen: Gotthardpass, 2106 Meter.

Geschafft!
Gut eine Stunde nahmen wir uns nun Zeit, diesen Moment entsprechend zu geniessen. Erst dann liessen wir wieder Gedanken an die Weiterfahrt zu. Und genau jetzt kam das grosse Problem: Ja, wir hatten den Gotthardpass besiegt, aber was wir dabei völlig vergessen hatten war die Tatsache, dass uns heute die längste Etappe der Tour bevorstehend würde. Hatten wir bisher einmal 94 km und einmal 97 hinter uns gebracht, so waren es heute satte 124 Kilometer bis nach Lugano. Zieht man also die nun bereits geleisteten neun Kilometer ab, so wären dies noch genau 115 Kilometer bis zum Tour-Ende. Und da wären wir wieder beim Mentalen: Freude macht eine solche Erkenntnis nicht zwingend in allen Fällen…

Trotzdem: Das Wetter war gut, der Tag noch jung und die Freude über die Gotthard-Besteigung noch immer gross, so dass wir uns einigermassen gut gelaunt in die Abfahrt stürzten. Denn wer auf 2106 Meter hochkrachseln kann, der darf anschliessend auch wieder so ziemlich lange bergab sausen! 

Die ersten Meter der Abfahrt legt man auf der altehrwürdigen Via Tremola zurück. Dies ist eine Pflastersteinstrasse, deren Geschichte weit ins Mittelalter zurückreicht. Unterdessen ist die Strasse aber bereits mehrmals saniert und ausgebaut worden. Trotzdem hat die Strasse nur wenig von ihrem Scharm verloren und passt ausgezeichnet ins Landschaftsbild. Zusammen mit Sonne satt sieht das dann etwas so aus:

Jonny auf der Via Tremola.

Schon bald fährt man aber wieder auf neuartigem Teer, was zum einen die arg durchgeschüttelten Arme entlastet (wir hatten keine Stossdämpfer am Velo!!) und zum anderen etwas höhere Tempi erlaubte. Wir trauten unseren Augen kaum, als wir im Nachhinein feststellen mussten, dass wir zeitweise mit gut 73 km/h unterwegs waren. Schnell waren wir in Ambri und durchquerten die Leventina. Schlagartig wechselte an dieser Stelle das Klima und wir fanden uns in mediterranen 30 Grad wieder (welche sich deutlich von den uns bekannten 30 Grad aus dem Baselbiet unterschieden!)

Nun liessen die steilen Abfahrten langsam aber sicher nach und es wurde immer flacher. Unser stetiger ungebetener Gast, der heftige Gegenwind, gestaltete die anschliessende Fahrt entlang des „Ticino“-Flusses nicht sonderlich angenehm. Um punkt 13:00 Uhr fuhren wir dann, nach gut 60 zurückgelegten Kilometern, in Biasca ein. Dort genehmigten wir uns eine leckere Pizza.

Ähnlich mühsam war dann die Strecke zwischen Biasca und Bellinzona, welche vergleichbar war mit den Strecken Stansstad-Beckenried oder Aarau-Sursee, die wir an den Tagen zuvor zurücklegen „durften“. Die Natur hatte auf diesen Teilstücken einfach nicht viel Spektakuläres zu bieten und auch die Streckenführung war mit vielen Geraden nicht sonderlich spannend. 

Nach viel Kampf und Tretarbeit kamen wir am späteren Nachmittag am Fusse des Monte Ceneri an. Dieser Pass verbindet als einzige innerschweizerische Möglichkeit den nördlichen Kantonsteil des Tessins, rund um Bellinzona, mit dem südlichen Teil. Was so einfach klingt, ist in Tat und Wahrheit ein weiterer heftiger Aufstieg, welcher uns auf neun Kilometern nochmals gut 300 Höhenmeter klettern liess, und dies bei Temperaturen um die 35 Grad und mit mittlerweile gut 270 Kilometern in den Knochen. 

Mit der letzten Willensleistung unserer Tour überquerten wir dann auch dieses Hindernis und fanden uns um ca. 17:45 Uhrauf der Passhöhe des Monte Ceneri wieder.   

Die letzten 20 Kilometer bis nach Lugano entwickelten sich dann zum Wettlauf gegen die Zeit. Da unsere Fahrräder bis spätestens 18:30 Uhr am Bahnhof Lugano abgegeben sein mussten, war ein Schnitt von gut 25 km/h pro Stunde nötig, um rechtzeitig am Schalter einzutreffen. Anstatt wie geplant gemütlich nach Lugano zu gondeln, radelten wir wie von der Tarantel gestochen in Richtung Lugano. Schliesslich in Lugano angekommen, mit Puls weit über dem Normalwert, kämpften wir uns mit halsbrecherischen Manövern die Via Cantonale hinab, vorbei an der um diese Zeit stehenden Blechschlange, und kamen um 18:20 am Bahnhof an. Phu, nochmals Glück gehabt. Gerade noch rechtzeitig konnten wir die Velos deponieren und unseren aufgegebenen Koffer in Empfang nehmen. 

Es dauerte dann eine geschlagene Stunde bis wir so richtig realisierten, dass wir ja jetzt tatsächlich in Lugano angekommen waren. 300 Kilometer später, über 3500 Höhenmeter weiter. Wow.

Was bleibt sind unzählige Erinnerungen an traumhafte Landschaftsbilder rund um die wunderschönen Seen und Berge der Schweiz, viele Stunden der totalen Erschöpfung und die Erinnerung an den Husarenritt unseres Lebens. 

Flanieren in Lugano...
Wenn sich das jemand verdient hat, dann wohl wir...
Sommer, Sonne, Strand: Nach drei Tagen Arbeit folgten zwei der Erholung am Lido di Lugano.

Kilometer:                                         124 km
Durchschnittsgeschw.                     18.3 km/h
Fahrzeit:                                             8 Stunden
Reisezeit:                                          10,5 Stunden

Donnerstag, 2. August 2012

Drei Tage, zwei Freunde, ein Ziel: Einmal quer durch die Schweiz (Teil 2)


Etappe 2:

Unfassbar, wie viele schöne Momente uns bereits schon Etappe 1 gebracht hatte. Blaue Seen, saftige Wiesen und idyllische Flüsschen. Was wir hingegen eher weniger positiv in Erinnerung haben werden, ist der folgende Moment: Nach einer durchzogenen Nacht im 6er-Zimmer war es nun soweit, wieder auf den Sattel zu steigen. Und genau das, meine lieben, macht dann gar keine Freude. Auch hier hagelte es, teils kreative, teils alt bekannte und auch ein paar ausgelutschte Fluchwörter. Ich wage sogar zu behaupten, hätte Jonnys Velo sprechen können, es hätte wohl genauso geflucht ;-)

Zum Glück dauert es nur einige Minuten, bis sich die verwöhnten Bieri/Jonny-Gesässe wieder an die Situation gewöhnt hatten, denn nur so war es uns nämlich möglich, den Anblick des Vierwaldstädtersees in der Morgensonne zu geniessen:

08:00 Uhr, ein weiterer Sonnentag stand uns bevor.
Ganz ohne Isostar gings dann aber auch bei diesem Anblick nicht...
Spätestens jetzt waren alle Schmerzen und Weh-Wehchen wieder vergessen und die zweite Etappe konnte so richtig losgehen. 

Unser Erstes Ziel war die Autofähre bei Beckenried, mit welcher wir die Uferseite des Sees wechseln mussten, um dann auf der anderen Seite bis ganz ans Ende des Wassers zu fahren. Dort lag dann Flüelen und etwas später Altdorf, wo wir zu Mittag essen wollten. Ab Altdorf erwarteten wir dann den heftigsten Teil unserer Reise: den Aufstieg nach Hospental. Aber schön der Reihe nach.

Die Route führte von Luzern aus gesehen zuerst am rechten Seeufer entlang. Da fährt man dann an so schmucken Dörfchen wie Kastanienbaum vorbei, welche an einem Hang direkt am See gelegen sind. Was sich dort dann für Häuser, Villen und gar ganze Anwesen befanden, war schier unglaublich. Wer an diesem traumhaften Tag in die Morgensonne über dem Vierwaldstädtersee blickte wusste aber sofort: Wer will’s ihnen vergönnen?! Hätten wir etwas mehr Sackgeld dabei gehabt, ich glaube wir wären gleich geblieben. 

Weiter gings bis nach Stansstad, vorbei an der Glasi Hergiswil und mit traumhaftem Blick auf den Rigi, den Bürgenstock den Pilatus und nun auch auf das Stanserhorn. Party, einen See, wunderschöne Berge: Gibt es eigentlich etwas, dass man in Luzern nicht hat?!

Wie auf der ersten Etappe, hatte auch Etappe zwei ein etwas mühsameres, langweiligeres Stück. Dies folgte jetzt. Es galt nämlich den Bürgenberg zu umfahren, was einerseits ziemlich lange dauerte und uns anderseits den Blick auf den See verhinderte. Anstelle dessen ging es, wie könnte es auch anders sein, mit heftigem Gegenwind in Richtung Buochs. Viel gerade aus, links ein Berg, rechts ein Berg: Nein, das war ein Stück zum vergessen. 

Wieder am See angekommen legten wir noch einmal einen Halt ein, um ein paar Minuten einfach dazusitzen und den herrlichen Anblick zu geniessen:
Noch ist alles wie im Zauberland, aber schon bald...
Wenige Minuten später mussten wir dann feststellen, dass wir die Fähre knapp verpasst hatten und dadurch gut 40 Minuten verlieren würden. So kam es, dass wir erst um ca. 11:00 Uhr am anderen Ufer ankamen und das Tempo etwas anziehen mussten, um rechtzeitig zum Mittagessen in Altdorf zu sein. 
Auf dem Oberdeck...
...auf die andere Seite des Vierwaldstädtersees!
Nach 42 Kilometern erreichten wir das Städchen Brunnen, welches in vielerlei Hinsicht unsere Aufmerksamkeit erhielt: Zum einen lag es genau in der Mitte einer Kurve, von der aus man sowohl ins Tal des Vierwaldstädtersees in Richtung Luzern blicken konnte, gleichzeitig aber auch ins Tal des Urnersees und somit in Richtung Gotthard. Wir schlossen also mit Rigi, Bürgenstock und Kollegen ab und mussten uns von nun an, wohl oder übel, mit dem Gotthardpass beschäftigen. Zum anderen ist Brunnen an sich aber auch schon ein Besuch wert, direkt am See gelegen. Und nicht zuletzt erhascht man von Brunnen aus auch einen Blick auf das Schwyzer Wahrzeichen, den kleinen und den grossen Mythen. 

Von nun an befanden wir uns im „Tell-Gebiet“, was nicht zuletzt an den zahlreichen „Hotel Tell“, „Spaghetti Apfelschuss“ oder „Gasthof zum Wilhelm“ zu erkennen war. Diesen kulturellen Teil unserer Reise wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und stiegen, trotz mächtigem Hunger, zwischen Sisikon und Flüelen hinab zur sagenumworbenen Tellsplatte samt Kapelle. Hier soll ja gemäss Legende der Schweizer Volksheld Wilhelm Tell vom Boot des Landvogts Gessler gesprungen sein, um diesen dann, etwas später, in der Hohlen Gasse zu erschiessen. 

Schon hatten wir bereits wieder knapp 60 Kilometer in den Beinen, als wir um ca. 13:00 Uhr in Altdorf einfuhren, vorbei am Tell-Denkmal direkt zu Pizza und „Würschtli“ im Teig. 

Langsam aber sicher beschlich uns dann ein etwas mulmiges Gefühl. Der Blick nach hinten, ins Tal, versprach nichts Gutes. Links, rechts und gerade aus zeigte sich die Natur von ihrer mächtigsten Seite und türmte Steinkolosse von angsteinflössender Höhe. Egal welches der Gotthard war, über irgendeinen dieser Monster mussten wir klettern, wenn wir ins Tessin wollen.
Blick ins Tal der schmerzenden Oberschenkel. Vorne zieht die Reuss durch das Gebirge.
Zusammen mit der Autobahn und der Reuss schlängelten wir uns ab jetzt also in Richtung Gotthard. Es folgten die aus den Verkehrsmeldungen bekannten Ortschaften wie Erstfeld, Amsteg, Wassen, und Göschenen. 
Unser erstes Ziel war vorerst einmal Amsteg, welches als letzte Ortschaft wohl noch ziemlich flach zu erreichen war. In Amsteg dann bogen wir auf die „Gotthardstrasse“ ein, was gleichbedeutend war mit dem Beginn der wohl heftigsten Stunden unseres Lebens. Von nun an ging es nämlich fast ausschliesslich nur noch bergauf, und dies grösstenteils mit einer Steigung über 10% (!!). Auf gut 25 Kilometern mussten wir über 1000 (!!) Höhenmeter überwinden. Im Schneckentempo und bei brütender Hitze kämpften wir uns von nun an das Tal hinauf. Vorbei an Gurtnellen, wo immer noch an der zerstörten Bahnstrecke gearbeitet wurde, trampten wir in Richtung Wassen. Obwohl wir dort noch nicht annähernd etwas erreicht hatten, mussten wir einen längeren Halt im Restaurant einlegen um, erstens, die Batterien aufzuladen, und zweitens unsere Ängste und Sorgen in Anbetracht des Kommenden mitzuteilen. Und diese Sorgen waren durchaus berechtigt, denn was nun folgte, war beinahe zu viel des Guten: Der Anstieg nach Göschenen verlangte uns alles ab, was wir hatten und bescherte uns zitternde Beine, als wir dann endlich direkt neben dem Eingang des Autobahn-Tunnels standen. Dass mit der bekannten Schöllenen-Schlucht nun der heftigste Teil der Etappe bevorstand, sei nur so am Rande erwähnt. Der Legende zufolge gingen die Talbewohner zum Bau der Schöllenenbrücken einen Pakt mit dem Teufel ein. Dieser versprach, den Brückenbau um den Preis der ersten Seele, die darüber läuft, zu übernehmen. Die Bewohner aber schickten als erstes einen Ziegenbock über die Brücke, worauf der Teufel wütend versuchte, sein Werk mit einem  riesigen Felsbrocken wieder zu zerstören. Einem alten Mütterchen hingegen gelang es in letzter Sekunde, ein Kreuz auf den Stein zu malen, was ihn für den Teufel unverrückbar machte.

Der Teufelsstein auf einem Bild von artlog.livejournal.com
Genau diesen Stein bewunderten wir während unseres letzten Halts vor dem Schöllenen-Aufstieg.

Mittlerweile war es fast 18:00 Uhr und wir waren  Platt wie eine Flunder. Das Einzige was uns jetzt noch antrieb war der eiserne Wille, der Hunger und die Fähigkeit, den verdammten Sauhund zu überwinden!

Und tatsächlich: Nach einer weiteren Stunde auf der knallharten und stetig richtig steil steigenden Schöllenenstrasse erreichten wir Andermatt. Nach dieser Leistung waren die darauf folgenden 15 Fahrminuten nach Hospental nicht mehr der Rede wert und wir kamen nach unglaublichen acht Stunden reiner Fahrzeit endlich in der Jugendherberge Hospental an. 

Hätten wir bereits in Amsteg gewusst, was uns in den folgenden Stunden erwarten würde, ich glaube wir hätten es nicht gepackt. So aber liessen wir uns aber so richtig völlig ausgepumpt ins Bett fallen und träumten stolz von einer der grössten Leistungen unseres noch jungen Lebens.

Aber Achtung: Wer in Hospental angekommen ist, hat noch nicht den Gotthardpass überquert. Und genau dieser Denkfehler sollte uns am kommenden Tag zum Verhängnis werden. Den Bericht gibt’s in Bälde.

Kilometer:                                          97km
Durchschnittsgeschw.                       11.3 km/h
Fahrzeit:                                             8 Stunden
Reisezeit:                                           11 Stunden

Mittwoch, 1. August 2012

Drei Tage, zwei Freunde, ein Ziel: Einmal quer durch die Schweiz


Endlich! Um genau 18:14 Uhr glitzerte uns die Wasseroberfläche des Luganersee am Horizont entgegen: Nach 314 Kilometern, rund 3500 überwundenen Höhenmetern und kräftezehrenden 22,5 Stunden auf dem Velo, wurde das niemals für möglich gehaltene wahr: Wir Amateure, totale Nicht-Velofahrer und bekennenden Heimscheisser, fuhren ohne auch nur einen einzigen gelaufenen, gerobbten oder motorisiert zurückgelegten Zentimeter  in Lugano ein. Als Erinnerung bleibt: Der Husarenritt unseres Lebens!

Der Plan:

Einmal quer durch die Schweiz, und zwar mit dem Velo:

Team:                   Jonny, Bieri
Route:                  Nationale Nord-Süd-Route (Route 3)
Start:                    Liestal, Bahnhof
Ziel:                      Lugano, Bahnhof
Distanz:               314 Kilometer
Höhenmeter:        rund 3500 Meter
Etappen:              Tag 1: Liestal – Luzern
                             Tag 2: Luzern – Hospental
                             Tag 3: Hospental – Lugano

Etappe 1, Liestal - Luzern:

Montagmorgen: Die ganze Tour stand schon vor unserem Antritt unter einem schlechten Stern. Ich hatte mir am Wochenende eine Bänderverletzung zugezogen und entschied erst am Vorabend, mit einer Gelenkstütze trotzdem anzutreten. Jonny verliess denselben Anlass wie ich mit einer Zehen-Prellung, die sich bald FCB-mässig rot-blau verfärbte. 

Allen Schmerzen zum Trotz: Wir verschoben pünktlich und wie abgemacht früh morgens nach Liestal, um dort unsere Mietvelos abzuholen. Im Schlepptau je zwei Velotaschen gefüllt mit Bidons, Wechselkleidung und Riegel für zwischendurch sowie einem Koffer.  Diesen übergaben wir am Bahnhof den SBB mit der Bitte, ihn doch für uns nach Lugano zu liefern. Dies taten sie dann auch – nach Bezahlung der entsprechenden Gebühr. 

Nach ersten kleinen Probefahrten auf den unbekannten Velos, der Velotaschen-Montage und einem letzten Blick in die Karte, entstand dann dieses Foto:

08:30 Uhr: Abfahrt an der Velostation Liestal

Und so ging es endlich los! Die erste Etappe sollte uns von Liestal 94 Kilometer weiter bis nach Luzern führen. Grösste Schwierigkeit auf dem Teilstück würde wohl die Schafmatt zu Oltingen darstellen. Die auf 840 Metern gelegene Höhe ist Teil des Juragebirges und trennt mitunter die Kantone Baselland und Solothurn. Bereits nach einer Stunde erreichten wir den Fuss dieses Aufstiegs in Rothenfluh. Völlig unerfahren und unwissend schalteten wir also ein paar Gänge zurück und strampelten munter den Berg hinauf. Bereits nach wenigen Minuten begannen die Oberschenkel-Muskeln auf der teils extrem steilen Strecke zu brennen. Etwas geschockt von der Intensität des Aufstiegs setzten wir uns ein erstes Mal an den Strassenrand. Welche Kraftausdrücke dann folgten, lassen wir an dieser Stelle beiseite. Ja kann das denn wirklich wahr sein, dass wir bereits jetzt an unsere Leistungsgrenze stossen? Unsere Oberschenkel antworteten auf diese Frage bereits mit einem leichten Nicken, unsere Dickschädel hingegen winkten vehement ab!  Also ging es weiter im Schneckentempo und mit viel viel Wille. Endlich entdeckten wir das Ortsschild von Anwil. Geschafft! Völlig durchnässte T-Shirts, schwitzige Hände und brennende Oberschenkel erhielten eine Auszeit um dann, nach einer kurzen Abfahrt – nein, jetzt aber nicht im Ernst oder? – oh doch, zum nächsten Anstieg zu gelangen. Gemäss Karte war der Aufstieg nach Anwil bestenfalls die Aufwärmrunde gewesen für das, was nun folgte. Doppelt so lange und noch einmal etwas steiler führte der Weg durch den Wald hoch auf die Schafmatt. Und erstmals kamen klitzekleine Zweifel auf, ob wir uns vielleicht nicht doch etwas übernommen hatten?! Nach jedem Rank gleich nochmals einer. Die Hoffnung, der nächste würde wohl der letzte Sein, wurde gleich mehrmals jäh begraben.

Mit unglaublich viel Kampf, tollem Einsatz und einer grandiosen Willensleistung trafen wir um ca. 10:30 Uhr dann doch noch auf dem Gipfel ein und dürfen im Nachhinein stolz sagen: Dieser Aufstieg bleibt auch nach dem Ende der Tour immer noch einer der härtesten, den wir gepackt hatten!

Herrliche Aussicht in Richtung Baselbiet...
...und in Richtung Solothurn.
Wenigstens ist die Natur so fair und liefert nach beinahe jedem grässlichen Aufstieg auch gleich eine rasante und spassige Abfahrt nach. So auch jetzt, als wir mit teilweise rund 60 km/h und einer gehörigen Portion Stolz ob dem Geleisteten in Richtung Rohr SO sausten. An dieser Stelle deshalb ein recht herzliches Dankeschön an Mutter Natur. Über Stüsslingen fuhren wir dann bis an das Ufer der Aare und diesem entlang bis nach Aarau, wo wir unseren Mittagshalt machten. Als klassische Sportlernahrung hatten wir uns Hackbraten mit Kroketten und Bohnen ausgesucht. Vielleicht hätte man jetzt auch ein anderes Menu wählen können…naja…Geschmeckt hat es jedenfalls ausgezeichnet.

40 Kilometer hatten wir also bereits zurückgelegt und weitere 30 sollten uns nun zu unserem zweiten Zwischenziel bringen: Nach Sursee, zur anschliessenden Fahrt entlang des Sempachersees. 

Eigentlich hätte ja wettermässig alles gepasst: Blauer Himmel, Sonne satt und angenehme Temperaturen – wäre da nicht dieser fiese Gegenwind gewesen. Das Teilstück bis nach Sursee wäre grundsätzlich ein einfaches gewesen, zwar stetig etwas steigend, aber doch viel gerade aus. Dieser äusserst gemeine, richtig fiese und fast schon hinterhältige Gegenwind sorgte aber dafür, dass sogar dieses Stück zur Prüfung wurde. Unnötig viel Gestrampel, eine eher bescheiden schöne Landschaft und die Tatsache, dass 30 Kilometer gerade aus sehr sehr lang sein können, machten dieses Teilstück zu einem der mühsamsten der Tour. 

Nach ziemlich genau fünf Stunden reiner Fahrzeit erreichten wir dann endlich das wunderschöne Städtchen Sursee (Tatsächlich einmal einen Ausflug wert!). Nach der anstrengenden Fahrt ab Aarau, genossen wir die paar Kilometer entlang des Sempachersees umso mehr und erfreuten uns an dem herrlichen Landschaftsbild. Wasser, Berge, Sonnenschein: Einfach nur herrlich!

Blick über den Sempachersee. Im Hintergrund türmen sich bereits die Berge...
Der isotonische Freund - bei diesen Temperaturen unverzichtbar!

Stärkung für das letzte Teilstück
Mittlerweile hatte es bereits 16:00 Uhr geschlagen. Das letzte Teilstück des Tages enthielt noch einmal einen mittleren Anstieg und danach eine kleine Abfahrt, die wir in gut einer Stunde hinter uns brachten um dann, punkt 17:00 Uhr, endlich in der Jugendherberge Rotsee anzukommen. 

Yes!!!
Nach der wohlverdienten Dusche und einer ordentlichen Menge Perskindol an den Oberschenkeln, wagten wir uns nach langem hin und her am Ende doch noch auf einen kleinen Ausflug in die Stadt. Dort machten wir es uns beim Italiener gemütlich und liessen den Tag bei einem kühlen Bier ausklingen.

Traumhafte Bilder zum Abschluss einer strengen ersten Etappe.


Etappe 1 in Zahlen:

Kilometer:                                         94 km
Durchschnittsgeschwindigkeit:        14,5 km/h
Fahrzeit:                                            6,5 Stunden
Reisezeit:                                          8,5 Stunden

Am kommenden Tag würde uns die wohl strengste Etappe der Tour bevor stehen. Entlang des Vierwaldstädtersees hoch hinauf nach Andermatt. Den Bericht dazu gibts in Bälde.

Sonntag, 22. April 2012

Save the date: Am 30.August wird geheiratet!


So viel Wein auf einem Fleck, das macht  ganz schön durstig. Egal ob rot, weiss oder rosé: an der Mustermesse Basel (muba) ist für jedermann etwas dabei. Doch mit dem blossen Anschauen ist es noch nicht getan, nein, schliesslich sieht man einem Wein ja nicht an, ob er schmeckt oder nicht! Die Lösung ist einfach: Degustieren. 

So einfach ist es dann aber doch nicht. Zu zweit haben wir uns am Wochenende aufgemacht, in die heilige Halle 2.2, zu den Weinliebhabern. Endlich wollten wir auch einmal dazusitzen und über  erlesene Tropfen fachsimpeln, und das erst noch gratis, versteht sich. Doch wie fachsimpelt man über etwas, von dem man aber sowas von gar nichts versteht? Wie bringst du einen Verkäufer dazu, dir die besten Weine aufzutischen, ohne dass dieser merkt, dass du ja sowieso keine einzige seiner Flaschen kaufen wirst? Und wie spreche ich diese Traubensaft-Kenner überhaupt an? „Hallo, ich würde gerne gratis deinen Wein saufen?“  Oh nein, meine Lieben, so einfach ist das nicht! Man braucht dafür eine Taktik, Körperbeherrschung und eine gute Portion Skrupellosigkeit. Und das ist genau der Punkt: Zwei anständige, gut erzogene Landeier wollen in der grossen Stadt die Skrupellosen spielen. Wir habens versucht, und zwar mit Erfolg! Hier unser Schlachtplan:

Zuerst brauchst du eine Story. Und zwar nicht einfach irgendeine Story, nein, es muss eine glaubwürdige, einfache und alltagsnahe Story sein. Lücken und Fehler darin sind gleichbedeutend mit Scham, Peinlichkeit und einer Degradierung sondergleichen. Folgende Optionen standen uns nach langwieriger Diskussion zur Wahl: Die „Wir haben keine Ahnung von Wein und würden uns gerne belehren lassen“-Nummer, die „Wir haben gerade eine WG gegründet und möchten unseren Weinkeller füllen“-Nummer, oder die „Mein Kollege heiratet und wir suchen einen passenden Wein“-Nummer. Nummer eins ist wahnsinnig ehrlich, glaubwürdig und beinhaltet keinerlei Fettnäpfchen. Aber sie hat einen grossen Haken: Welcher Weinverkäufer verbringt schon gerne einen halben Nachmittag mit zwei Laien, währenddessen seine Arbeitskollegen ihre Provision mit unzähligen verkauften Flaschen in die Höhe treiben. Und den guten Wein, den richtig guten, den servierst du bestimmt nicht diesen zwei Idioten! Nummer eins also war schnell gestorben. 

Nummer zwei, die WG-Nummer. Wer einen Weinkeller hat, der hat bestimmt auch ein wenig Ahnung von der Materie. Trotzdem hätten wir uns aber noch als Anfänger geben können, um peinlichen Fachausdruck-Schlachten aus dem Weg zu gehen. Aber mal ehrlich: Welche WG hat schon einen Weinkeller? Und in einer WG leben oftmals zwei Studenten die mit ihrem Budget gerade mal so über die Runden kommen. Würdest du so jemanden den 19.90 CHF Kochwein probieren lassen oder doch eher den 84.50 CHF teuren Spezialwein aus Südafrika? Eben. Zwei auch tot. 

Bleibt noch die Drei. Die Geschichte mit der Hochzeit. Traumhaft! Ja wann leistet sich denn auch ein finanziell limitierter Student einmal eine gute Flasche? Natürlich, zur Hochzeit! Schliesslich will er seine Zukünftige ja nicht enttäuschen, und deren Eltern schon gar nicht! Zudem kauft man für die Hochzeit nicht einfach den erst besten Wein, nein, man vergleicht, man testet, man, achtung, degustiert! Ja genau, man degustiert! 

Zack! Dem ersten Typen die Geschichte erzählt und schon sitzen wir am kleinen Tischlein. Ein dunkelhäutiger, gepflegter und humorvoller Verkäufer, natürlich im Anzug, wird uns bei der Wahl behilflich sein. „Weiss, rot oder rosé?“. Shit, das hatten wir uns nicht überlegt. Kannst ja nicht einfach zu einem Rundumschlag ausholen und dich mal so durch die ganze Karte trinken. Wir hätten präziser sein sollen. Solange aber nur einer redet, ist es ja kein Problem, da muss man halt spontan sein. „Weiss, wir suchen einen Apéro-Wein“. Ja meine Güte, was zaubert denn da mein Kollege für eine herrliche Antwort aus dem Hut? „Mögt ihr trockenen Wein? Gerne etwas fruchtig oder süss? Darf er etwas Säure haben?“ So. Jetzt hast du den Salat. Aber halt, da gibt es ja immer noch die „Ich habe keine Ahnung“-Nummer. Wieso nicht einfach ehrlich sein? Einer der Heiratet ist nicht sofort ein Weinkenner. „Schwierig…wir kennen uns halt nicht so aus. Ich kann dir höchstens sagen ob mir ein Wein schmeckt oder nicht…beim „Wieso“ wird’s dann etwas schwieriger“. Kein Problem, mein der Verkäufer, und tischt uns in der Folge alles auf was wir nur so möchten. 

Zuerst den günstigen natürlich. „Das ist ja jetzt eher der günstige Wein, der schmeckt mir eigentlich ganz gut, aber ich würde jetzt gerne mal zum Vergleich einen teuren versuchen, nur um zu sehen, ob es sich lohnt, etwas mehr zu investieren“. Grandios! Oscar-Reif! Der Typ steht auf und greift in den Kühlschrank. 36 CHF kostet der schon. Herrlich läuft der den Hals hinunter, zwar nicht viel besser als der günstige, aber halt teurer! Schlussendlich lassen wir uns vorrechnen was das Ganze für eine Gesellschaft von 100 Gästen kosten würde, verlangen eine Offerte und verabschieden uns höflich. 

Das Ganze wiederholt sich nun noch etwa fünf Mal, glaube ich jedenfalls, so richtig kann ich es nicht mehr sagen, da kommt halt dann schon einiges an Alkohol zusammen an einem Samstagnachmittag. Jedenfalls passen wir die Geschichte immer wieder etwas an: Den Rotwein suchen wir nämlich für den Hauptgang, wo wir am liebsten gleich zwei Sorten zur Auswahl anbieten möchten. Natürlich brauchen wir dann noch einen Dessertwein und beim Walliser-Stand geben wir zu verstehen, dass wir bis jetzt nur teuren Südafrikaner serviert bekommen hätten, und gerne auch einmal einen Schweizer Wein versuchen würden, denn das sei ja wohl ökologisch viel sinnvoller! Ja natürlich! Zack, hatten wir die Walliser-Dame auch schon am Haken!

Schlussendlich dürfen wir behaupten, nun nicht mehr blutige Anfänger, sondern ein klein wenig "fortgeschritten" zu sein. Wir können jetzt zwischen "leichtem" und "schwerem" Wein unterscheiden, kennen den Unterschied zwischen einem Weisswein mit viel Säure und einem ohne Säure und haben gemerkt, dass Schweizer Weisswein bestenfalls zum Kochen geeignet ist. Im nächsten Jahr greifen wir dann richtig an, dann wollen wir definitiv in die Gruppe der "Fortgeschrittenen" aufsteigen. 

Und die Moral der Geschicht‘? Ohne Taktik geht es nicht!

Donnerstag, 23. Februar 2012

Ich bin wieder hier, in meinem Revier

Ach du liiiiiiiebe Zeit! Sage und schreibe mehr als zwölf Wochen sind nun schon vergangen, seit meinem letzten Blog-Eintrag. So einiges ist in dieser Zeit passiert, kurz zusammengefasst:

-          Ich hatte eine gefühlte Ewigkeit für meine Semesterprüfungen gelernt
-          Ich hatte nicht annähernd so viel Zeit für das Ausfüllen jener Prüfungen benötigt
-          Ich hatte zwischendurch einen Schüttelfrost- Anfall (äusserst mühsam!!)
-          Ich bin am Kleinbasler „Charivari“ gewesen, und habe mich über den komplett besoffenen Sitznachbarn geärgert.
-          Ich hatte mit Freuden festgestellt, dass sich das Lernen gelohnt hat, und ich die Prüfungen mit Bravour bestanden habe.
-          Ich war selbst einige Male komplett besoffen (habe ich wohl auch jemand geärgert?)
-          Ich bin im Fussball Manager 12 mit dem FC Grosseto in die erste italienische Liga aufgestiegen (und das ist nun wirklich eine starke Leistung!)
-          Ich hatte immer wieder den Stapel an Schulmaterial angeschaut, den ich eigentlich einordnen wollte, und der noch heute genau da liegt, wo er damals lag.
-          Ich hatte das Auto gewaschen. Also eigentlich wars die Waschanlage.
-          Und so weiter und so fort

Und wieso das Ganze? 

Damit ich jetzt wieder täglich um 05:12 aufstehen kann, zwei Stunden nach Winterthur tuckern kann und das gleiche, verwirrende und aber so was von in die Länge gezogene Geplapper unserer Dozenten anhören kann. Zwei Stunden zurück und um 18:47 bin ich dann wieder zurück in Bubendorf.

Ach wie hab‘ ichs vermisst…