Nun ist es offiziell: Die Karnevals-Session 2012/2013 ist eröffnet! Unter dem Motto "Fastelovend em blot, he un am Zockerhot" (Karneval im Blut, hier und am Zuckerhut -> spielt auf die Städtepartnerschaft zwischen den Karnevalsverrückten Städten Rio und Köln an) feierten in Köln tausende von Fasnachtsbegeisterten den Auftakt. Und zu einer richtigen Feier, da gehört auch die richtige Musik.
Ich muss zugeben: Mir persönlich war nie bewusst, welch unglaubliches Repertoire an Stimmungsmusik in Köln vorhanden ist. Natürlich, da sind "De Höhner", die mit ihrem "Viva Colonia" und "Wenn nicht jetzt, wann dann?" auch zu uns vorgedrungen sind. Aber Bands wie "Brings", "Paveier" oder "de Räuber" waren für mich, bis anhin, unbekannt. Leider.
Hier habe ich für euch meine liebsten köllsche Stimmungslieder zusammengestellt:
1. Liebchen - De Höhner
2. Buenos Dias Matthias - Paveier
3. Poppe, Kaate, Danze - Brings
4. Sulang mer noch am lääve sin - Brings
5. Der liebe Gott weiss, dass ich kein Engel bin - De Höhner
6. Nemm mich su wie ich bin - De Höhner
7. Ich habe was, was du nicht hast - De Räuber
8. Superjeilezick - Brings
9. Wir sind Köllsche us Kölle am Rhing - Paveier
10. Dat jeiht vorbei - Paveier
11. Denn wenn et Trömmelche jeht - De Räuber
12. Pirate - Kasalla
13. Wo mir sin is Kölle - De Höhner
14. Schenk mir dein Herz - De Höhner
Und natürlich der Klassiker schlechthin: Hey Kölle du bes e Jeföhl - De Höhner
Ab auf Youtube und ein paar Minuten im Karnevalstreiben versinken :-) Ah, und übrigens, wenn sich jemand dafür interessiert, WAS denn da überhaupt gesungen wird (man kann sichs einigermassen zusammenreimen), dann gehts hier zum Köllsch-Wörterbuch.
Es drückt, spannt und reisst langsam ein an meiner Hirnwand: Unzählige Gedanken und Meinungen, Fragen und Antworten sowie millionen von Wörtern haben mittlerweile eine solche Masse erreicht, dass es beinahe unaushaltbar ist. Bevor meine eigene, kleine Welt jedoch in tausend Stücke zerplatzt, lasse ich ihnen auf dem Zenit ihrer Brisanz freien Lauf! Herzlich Willkommen auf meinem Blog.
Montag, 12. November 2012
Montag, 8. Oktober 2012
25 Sekunden - oder warum ich in Liestal den Bus verpasste
Langsam fährt der Zug in Liestal ein. Ich schaue auf die
Uhr: Es ist 18:35. „Jetzt aber vollgas“, denke ich mir und positioniere mich sicherheitshalber
schon einmal an der Tür. Der Zug wird immer langsamer, bis er schlussendlich
still steht und seine Türen öffnet. Im Tempo eines gehetzten Affen springe ich
aus dem Wagon und schlängle mich wendig wie eine afrikanische Wüstenantilope durch
die Unterführung hinüber zum Busbahnhof. Doch was ich hoffte, dort anzutreffen,
war leider nicht (mehr) zu sehen. Der Bus der Linie 70, der mich normalerweise
nach Bubendorf bringt, war weg. Aber warum? Gemäss Fahrplan startet der
70er-Bus um 18:35 und hätte doch eigentlich den gleichzeitig einfahrenden Zug
sehen müssen?
Abwarten von
Anschlüssen klar definiert
„Die Zugseinfahrt
erfolgte dann um 18 Uhr 35' 25". Grundsätzlich war die Meldung der SBB
korrekt.“
Obwohl die Einfahrtszeit sekundengenau angegeben wird, ist
mit einer Toleranz von +/- 30 Sekunden zu rechnen. Der Wert wird nämlich beim
Überfahren einer Signalanlage generiert und nicht direkt bei Stillstand des
Zuges. Dem scharfsinnigen Beobachter fällt jetzt auf, dass bei 30 Sekunden
Toleranz und einer Verspätung von 25 Sekunden die klitzekleine Möglichkeit
bestünde, dass der Buschauffeur zu früh abgefahren war. Aber wollen wir mal
nicht so sein (hätte mich jemand an besagtem Abend gefragt, ob wir denn so sein
wollen, ich glaube, eventuell, vielleicht, wäre meine Antwort anders
ausgefallen).
Wie auch immer, die nächste halbe Stunde verbrachte ich vor
Wut schäumend auf einer Sitzbank am Bahnhof Liestal. Da ich als Pendler solche
Situationen, äusserst ärgerliche Situationen muss man dazu sagen, schon öfters
erlebt habe, wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Warum wartet ein
Chauffeur gewisse Anschlüsse ab, während ein anderer dies nicht tut? Also habe
ich mich bei der verantwortlichen Autobus AG Liestal gemeldet. Was ich dann als
Antwort erhielt war derart horizonterweiternd, dass ich jedem Pendler empfehle,
jetzt weiterzulesen.
Die erste wichtige Erkenntnis: Das Abwarten von verspäteten
Zügen ist nicht etwa ein willkürlicher Akt, je nach Lust und Laune des
Buschauffeurs, sondern ist minutengenau definiert, wie die Antwort von René
Hertner, Leiter Betrieb öffentlicher Verkehr der AAGL, zeigt:
„Die Anschlüsse sind
über unser Betriebsleitsystem innerhalb zeitlicher Bereiche definiert. Im
Zeitbereich 18 - 21 Uhr können Züge mit Einfahrt innerhalb 3 Minuten ab
fahrplanmässiger Busabfahrt noch abgewartet werden. Der Bus der Linie 70 mit
Abfahrt um 18.35 kann gemäss dieser Regel bis 18.38 warten. Züge mit Einfahrt
bis 18.35 können demnach noch abgewartet werden. In diesen 3 Minuten Wartezeit
ist die Umsteigezeit eingerechnet, und diese ist bei Zügen vom Perron 3
notwendig.“
So weit, so gut. Stellt sich noch die Frage, wie der
entsprechende Buschauffeur denn weiss, ob ein Zug verspätet ist oder nicht.
Auch hierzu hat Hertner die passende Antwort:
„Verspätungsmeldungen
werden vom System automatisch generiert und via Datenfunk auf unsere Fahrzeuge
übermittelt. Der beteiligte Fahrer erhielt um 18 Uhr 32 die Meldung auf sein
Display im Fahrzeug: "IR Richtung Basel verspätet, Anschluss kann nicht
abgewartet werden". So startete er korrekt um 18 Uhr 35. Diese Meldungen
werden protokolliert und können jederzeit Überprüft werden.
„Grundsätzlich war
die Meldung der SBB korrekt“
Okey, der Busfahrer hat die Meldung erhalten, dass der Zug
verspätet sein WIRD. Die entscheidende Frage ist jetzt nur noch, wann der Zug
denn tatsächlich eingefahren IST. Und genau da liegt der Hund begraben:
![]() |
|
Auf der Strecke Luzern
– Basel beispielsweise sind unzählige Signalanlagen platziert. So ist es den
SBB möglich, jederzeit über Verspätungen im Bild zu sein.
|
Heute jedoch steht für mich fest: das System hat recht. Auch
wenn der Zug um 18 Uhr 35‘ und 01‘‘ eingefahren wäre, wäre er gemäss
Richtlinien der AAGL zu spät gewesen, um die Einfahrt abzuwarten. Also braucht
man 24 Sekunden später gar nicht erst zu diskutieren, ob der Chauffeur hätte
warten sollen oder nicht.
Irgendwie wünsche ich mir in solchen Momenten trotzdem den „alten“
Buschauffeur zurück. Den mit dem gesunden Menschenverstand, der kurz vor
Abfahrt nochmals aufs Gleis schielt und so wohl bemerkt hätte, dass gerade der
verspätete Interregio eingefahren ist.
Dienstag, 7. August 2012
Drei Tage, zwei Freunde, ein Ziel: Einmal quer durch die Schweiz (Teil 3)
Etappe 3:
Holzbett, rotweiss karierte Bettdecken und eine beinahe
antike Lampe auf einem kleinen Holztisch in der Ecke: So stellt man sich ein
gemütliches Chalet-Zimmer vor. In einem solchen durften wir nach den schier
unmöglichen Strapazen des Vortages eine äusserst erholsame Nacht verbringen,
was auch bitter nötig war, denn heute galt es unser Meisterstück zu vollenden: Nichts
wollten wir mehr, als das langersehnte Foto auf der Passhöhe des Gotthards.
Die Jugendherberge Hospental befindet sich direkt am Anfang
der Passstrasse über den Gotthard, so dass es gerade einmal geschätzte sechs
Sekunden dauerte, bis uns ein Schild freundlich darauf aufmerksam machte, dass
wir in den nächsten neun Kilometern nochmals 603 Höhenmeter zu überwinden
hatten. Kann man denn schöner in einen Tag starten als mit einer solchen
Information? Ja, man kann.
Der grosse und entscheidende Unterschied zum mörderischen
Aufstieg des Vortages jedoch war, dass wir ausgeschlafen und einigermassen voll
bei Kräften in die Pedale treten konnten. Diesmal würde es also weniger eine
physische als eine psychische Herausforderung werden, sich wieder einmal knapp
zwei Stunden gegen den Berg zu stemmen. Links; rechts; links; rechts – immer
und immer weiter schlängelten wir uns den Pass hinauf und trotz eigentlich angenehmer
Morgentemperaturen, floss der Schweiss wie aus Kübeln. Der Blick nach oben
wollte irgendwie nicht so recht verraten, ob die nächste Kurve eventuell die
letzte sein könnte oder bloss der Anfang eines noch etwas steileren
Teilstückes. Lächerliche 5,5 Stundenkilometer „schnell“ waren wir
durchschnittlich unterwegs und langsam aber sicher war die Geduld am Ende.
| Blick nach hinten. |
Sogar der ansonsten stets musikfreie Jonas („Ich ha nur mi
Willä, das längt!“) steckte sich nun seine Kopfhörer in die Ohren, um seine
Gedanken weg vom niemals-enden-wollenden Aufstieg zu lenken. Und dann plötzlich, nach der Ausfahrt aus
einem kalten Tunnel, schien die Strasse weit oben am Horizont irgendwie
abzuflachen und bog links hinter einen Felsvorsprung ab. Ist es das? Ist es
tatsächlich das, was ich glaube? Steht hinter diesem verdammten Felsen endlich
dieses Schild?
In solchen Momenten zeigt sich dann wieder, wie sehr unser
Körper von unseren Gedanken gelenkt wird, denn vom einen auf den anderen Moment
war es plötzlich möglich, das Tempo trotz schmerzender Oberschenkel etwas zu
verschärfen. Als wären die letzten eineinhalb Stunden vergessen, zog es uns
dank des nun aufkommenden Hoffnungsschimmers förmlich den Berg hinauf. Im Bauch
ein Gefühl, dass man sonst nur als Kind kennt, und zwar genau in dem Moment, in
dem Mami das definitive OK gibt: „Ja, wir fahren morgen in den Europapark“. Es
kann sich nur noch um Sekunden handeln: Entweder treffen wir auf das Schild,
oder es handelt sich einfach nur um eine weitere Kurve auf dem Weg nach oben.
Und da stand es. Zuerst ganz klein, weit weg und kaum zu
erkennen. Aber wir fühlten es. Es muss es sein. Dann wurde es immer grösser,
das Blau war nun klar zu erkennen und nach weiteren fünfzig Metern konnten wir
es lesen: Gotthardpass, 2106 Meter.
| Geschafft! |
Gut eine Stunde nahmen wir uns nun Zeit, diesen Moment
entsprechend zu geniessen. Erst dann liessen wir wieder Gedanken an die
Weiterfahrt zu. Und genau jetzt kam das grosse Problem: Ja, wir hatten den
Gotthardpass besiegt, aber was wir dabei völlig vergessen hatten war die
Tatsache, dass uns heute die längste Etappe der Tour bevorstehend würde. Hatten
wir bisher einmal 94 km und einmal 97 hinter uns gebracht, so waren es heute
satte 124 Kilometer bis nach Lugano. Zieht man also die nun bereits geleisteten
neun Kilometer ab, so wären dies noch genau 115 Kilometer bis zum Tour-Ende.
Und da wären wir wieder beim Mentalen: Freude macht eine solche Erkenntnis
nicht zwingend in allen Fällen…
Trotzdem: Das Wetter war gut, der Tag noch jung und die
Freude über die Gotthard-Besteigung noch immer gross, so dass wir uns
einigermassen gut gelaunt in die Abfahrt stürzten. Denn wer auf 2106 Meter
hochkrachseln kann, der darf anschliessend auch wieder so ziemlich lange bergab
sausen!
Die ersten Meter der Abfahrt legt man auf der altehrwürdigen
Via Tremola zurück. Dies ist eine Pflastersteinstrasse, deren Geschichte weit
ins Mittelalter zurückreicht. Unterdessen ist die Strasse aber bereits mehrmals
saniert und ausgebaut worden. Trotzdem hat die Strasse nur wenig von ihrem
Scharm verloren und passt ausgezeichnet ins Landschaftsbild. Zusammen mit Sonne
satt sieht das dann etwas so aus:
| Jonny auf der Via Tremola. |
Nun liessen die steilen Abfahrten langsam aber sicher nach
und es wurde immer flacher. Unser stetiger ungebetener Gast, der heftige
Gegenwind, gestaltete die anschliessende Fahrt entlang des „Ticino“-Flusses
nicht sonderlich angenehm. Um punkt 13:00 Uhr fuhren wir dann, nach gut 60
zurückgelegten Kilometern, in Biasca ein. Dort genehmigten wir uns eine leckere
Pizza.
Ähnlich mühsam war dann die Strecke zwischen Biasca und
Bellinzona, welche vergleichbar war mit den Strecken Stansstad-Beckenried oder
Aarau-Sursee, die wir an den Tagen zuvor zurücklegen „durften“. Die Natur hatte
auf diesen Teilstücken einfach nicht viel Spektakuläres zu bieten und auch die
Streckenführung war mit vielen Geraden nicht sonderlich spannend.
Nach viel Kampf und Tretarbeit kamen wir am späteren
Nachmittag am Fusse des Monte Ceneri an. Dieser Pass verbindet als einzige
innerschweizerische Möglichkeit den nördlichen Kantonsteil des Tessins, rund um
Bellinzona, mit dem südlichen Teil. Was so einfach klingt, ist in Tat und
Wahrheit ein weiterer heftiger Aufstieg, welcher uns auf neun Kilometern
nochmals gut 300 Höhenmeter klettern liess, und dies bei Temperaturen um die 35
Grad und mit mittlerweile gut 270 Kilometern in den Knochen.
Mit der letzten Willensleistung unserer Tour überquerten wir
dann auch dieses Hindernis und fanden uns um ca. 17:45 Uhrauf der Passhöhe des
Monte Ceneri wieder.
Die letzten 20 Kilometer bis nach Lugano entwickelten sich
dann zum Wettlauf gegen die Zeit. Da unsere Fahrräder bis spätestens 18:30 Uhr
am Bahnhof Lugano abgegeben sein mussten, war ein Schnitt von gut 25 km/h pro
Stunde nötig, um rechtzeitig am Schalter einzutreffen. Anstatt wie geplant
gemütlich nach Lugano zu gondeln, radelten wir wie von der Tarantel gestochen
in Richtung Lugano. Schliesslich in Lugano angekommen, mit Puls weit über dem
Normalwert, kämpften wir uns mit halsbrecherischen Manövern die Via Cantonale
hinab, vorbei an der um diese Zeit stehenden Blechschlange, und kamen um 18:20
am Bahnhof an. Phu, nochmals Glück gehabt. Gerade noch rechtzeitig konnten wir
die Velos deponieren und unseren aufgegebenen Koffer in Empfang nehmen.
Es dauerte dann eine geschlagene Stunde bis wir so richtig
realisierten, dass wir ja jetzt tatsächlich in Lugano angekommen waren. 300
Kilometer später, über 3500 Höhenmeter weiter. Wow.
Was bleibt sind unzählige Erinnerungen an traumhafte
Landschaftsbilder rund um die wunderschönen Seen und Berge der Schweiz, viele
Stunden der totalen Erschöpfung und die Erinnerung an den Husarenritt unseres
Lebens.
| Flanieren in Lugano... |
| Wenn sich das jemand verdient hat, dann wohl wir... |
| Sommer, Sonne, Strand: Nach drei Tagen Arbeit folgten zwei der Erholung am Lido di Lugano. |
Kilometer: 124
km
Durchschnittsgeschw. 18.3 km/h
Fahrzeit: 8 Stunden
Reisezeit: 10,5 Stunden
Durchschnittsgeschw. 18.3 km/h
Fahrzeit: 8 Stunden
Reisezeit: 10,5 Stunden
Donnerstag, 2. August 2012
Drei Tage, zwei Freunde, ein Ziel: Einmal quer durch die Schweiz (Teil 2)
Etappe 2:
Unfassbar, wie viele schöne Momente uns bereits schon Etappe
1 gebracht hatte. Blaue Seen, saftige Wiesen und idyllische Flüsschen. Was wir
hingegen eher weniger positiv in Erinnerung haben werden, ist der folgende
Moment: Nach einer durchzogenen Nacht im 6er-Zimmer war es nun soweit, wieder
auf den Sattel zu steigen. Und genau das, meine lieben, macht dann gar keine
Freude. Auch hier hagelte es, teils kreative, teils alt bekannte und auch ein
paar ausgelutschte Fluchwörter. Ich wage sogar zu behaupten, hätte Jonnys Velo
sprechen können, es hätte wohl genauso geflucht ;-)
Zum Glück dauert es nur einige Minuten, bis sich die
verwöhnten Bieri/Jonny-Gesässe wieder an die Situation gewöhnt hatten, denn nur
so war es uns nämlich möglich, den Anblick des Vierwaldstädtersees in der
Morgensonne zu geniessen:
| 08:00 Uhr, ein weiterer Sonnentag stand uns bevor. |
| Ganz ohne Isostar gings dann aber auch bei diesem Anblick nicht... |
Spätestens jetzt waren alle Schmerzen und Weh-Wehchen wieder
vergessen und die zweite Etappe konnte so richtig losgehen.
Unser Erstes Ziel war die Autofähre bei Beckenried, mit
welcher wir die Uferseite des Sees wechseln mussten, um dann auf der anderen
Seite bis ganz ans Ende des Wassers zu fahren. Dort lag dann Flüelen und etwas
später Altdorf, wo wir zu Mittag essen wollten. Ab Altdorf erwarteten wir dann
den heftigsten Teil unserer Reise: den Aufstieg nach Hospental. Aber schön der
Reihe nach.
Die Route führte von Luzern aus gesehen zuerst am rechten
Seeufer entlang. Da fährt man dann an so schmucken Dörfchen wie Kastanienbaum
vorbei, welche an einem Hang direkt am See gelegen sind. Was sich dort dann für
Häuser, Villen und gar ganze Anwesen befanden, war schier unglaublich. Wer an
diesem traumhaften Tag in die Morgensonne über dem Vierwaldstädtersee blickte
wusste aber sofort: Wer will’s ihnen vergönnen?! Hätten wir etwas mehr Sackgeld
dabei gehabt, ich glaube wir wären gleich geblieben.
Weiter gings bis nach Stansstad, vorbei an der Glasi
Hergiswil und mit traumhaftem Blick auf den Rigi, den Bürgenstock den Pilatus und
nun auch auf das Stanserhorn. Party, einen See, wunderschöne Berge: Gibt es
eigentlich etwas, dass man in Luzern nicht hat?!
Wie auf der ersten Etappe, hatte auch Etappe zwei ein etwas
mühsameres, langweiligeres Stück. Dies folgte jetzt. Es galt nämlich den
Bürgenberg zu umfahren, was einerseits ziemlich lange dauerte und uns
anderseits den Blick auf den See verhinderte. Anstelle dessen ging es, wie
könnte es auch anders sein, mit heftigem Gegenwind in Richtung Buochs. Viel gerade
aus, links ein Berg, rechts ein Berg: Nein, das war ein Stück zum vergessen.
Wieder am See angekommen legten wir noch einmal einen Halt
ein, um ein paar Minuten einfach dazusitzen und den herrlichen Anblick zu
geniessen:
| Noch ist alles wie im Zauberland, aber schon bald... |
Wenige Minuten später mussten wir dann feststellen, dass wir
die Fähre knapp verpasst hatten und dadurch gut 40 Minuten verlieren würden. So
kam es, dass wir erst um ca. 11:00 Uhr am anderen Ufer ankamen und das Tempo
etwas anziehen mussten, um rechtzeitig zum Mittagessen in Altdorf zu sein.
| Auf dem Oberdeck... |
| ...auf die andere Seite des Vierwaldstädtersees! |
Nach 42 Kilometern erreichten wir das Städchen Brunnen,
welches in vielerlei Hinsicht unsere Aufmerksamkeit erhielt: Zum einen lag es
genau in der Mitte einer Kurve, von der aus man sowohl ins Tal des Vierwaldstädtersees
in Richtung Luzern blicken konnte, gleichzeitig aber auch ins Tal des Urnersees
und somit in Richtung Gotthard. Wir schlossen also mit Rigi, Bürgenstock und
Kollegen ab und mussten uns von nun an, wohl oder übel, mit dem Gotthardpass
beschäftigen. Zum anderen ist Brunnen an sich aber auch schon ein Besuch wert,
direkt am See gelegen. Und nicht zuletzt erhascht man von Brunnen aus auch
einen Blick auf das Schwyzer Wahrzeichen, den kleinen und den grossen Mythen.
Von nun an befanden wir uns im „Tell-Gebiet“, was nicht
zuletzt an den zahlreichen „Hotel Tell“, „Spaghetti Apfelschuss“ oder „Gasthof
zum Wilhelm“ zu erkennen war. Diesen kulturellen Teil unserer Reise wollten wir
uns natürlich nicht entgehen lassen und stiegen, trotz mächtigem Hunger,
zwischen Sisikon und Flüelen hinab zur sagenumworbenen Tellsplatte samt
Kapelle. Hier soll ja gemäss Legende der Schweizer Volksheld Wilhelm Tell vom
Boot des Landvogts Gessler gesprungen sein, um diesen dann, etwas später, in
der Hohlen Gasse zu erschiessen.
Schon hatten wir bereits wieder knapp 60 Kilometer in den
Beinen, als wir um ca. 13:00 Uhr in Altdorf einfuhren, vorbei am Tell-Denkmal
direkt zu Pizza und „Würschtli“ im Teig.
Langsam aber sicher beschlich uns dann ein etwas mulmiges
Gefühl. Der Blick nach hinten, ins Tal, versprach nichts Gutes. Links, rechts
und gerade aus zeigte sich die Natur von ihrer mächtigsten Seite und türmte
Steinkolosse von angsteinflössender Höhe. Egal welches der Gotthard war, über
irgendeinen dieser Monster mussten wir klettern, wenn wir ins Tessin wollen.
| Blick ins Tal der schmerzenden Oberschenkel. Vorne zieht die Reuss durch das Gebirge. |
Zusammen mit der Autobahn und der Reuss schlängelten wir uns
ab jetzt also in Richtung Gotthard. Es folgten die aus den Verkehrsmeldungen
bekannten Ortschaften wie Erstfeld, Amsteg, Wassen, und Göschenen.
Unser erstes Ziel war vorerst einmal Amsteg, welches als
letzte Ortschaft wohl noch ziemlich flach zu erreichen war. In Amsteg dann
bogen wir auf die „Gotthardstrasse“ ein, was gleichbedeutend war mit dem Beginn
der wohl heftigsten Stunden unseres Lebens. Von nun an ging es nämlich fast
ausschliesslich nur noch bergauf, und dies grösstenteils mit einer Steigung
über 10% (!!). Auf gut 25 Kilometern mussten wir über 1000 (!!) Höhenmeter überwinden.
Im Schneckentempo und bei brütender Hitze kämpften wir uns von nun an das Tal
hinauf. Vorbei an Gurtnellen, wo immer noch an der zerstörten Bahnstrecke
gearbeitet wurde, trampten wir in Richtung Wassen. Obwohl wir dort noch nicht
annähernd etwas erreicht hatten, mussten wir einen längeren Halt im Restaurant
einlegen um, erstens, die Batterien aufzuladen, und zweitens unsere Ängste und
Sorgen in Anbetracht des Kommenden mitzuteilen. Und diese Sorgen waren durchaus
berechtigt, denn was nun folgte, war beinahe zu viel des Guten: Der Anstieg
nach Göschenen verlangte uns alles ab, was wir hatten und bescherte uns
zitternde Beine, als wir dann endlich direkt neben dem Eingang des
Autobahn-Tunnels standen. Dass mit der bekannten Schöllenen-Schlucht nun der
heftigste Teil der Etappe bevorstand, sei nur so am Rande erwähnt. Der Legende
zufolge gingen die Talbewohner zum Bau der Schöllenenbrücken einen Pakt mit dem
Teufel ein. Dieser versprach, den Brückenbau um den Preis der ersten Seele, die
darüber läuft, zu übernehmen. Die Bewohner aber schickten als erstes einen
Ziegenbock über die Brücke, worauf der Teufel wütend versuchte, sein Werk mit
einem riesigen Felsbrocken wieder zu
zerstören. Einem alten Mütterchen hingegen gelang es in letzter Sekunde, ein
Kreuz auf den Stein zu malen, was ihn für den Teufel unverrückbar machte.
![]() |
| Der Teufelsstein auf einem Bild von artlog.livejournal.com |
Genau diesen Stein bewunderten wir während unseres letzten
Halts vor dem Schöllenen-Aufstieg.
Mittlerweile war es fast 18:00 Uhr und wir waren Platt wie eine Flunder. Das Einzige was uns
jetzt noch antrieb war der eiserne Wille, der Hunger und die Fähigkeit, den verdammten
Sauhund zu überwinden!
Und tatsächlich: Nach einer weiteren Stunde auf der
knallharten und stetig richtig steil steigenden Schöllenenstrasse erreichten
wir Andermatt. Nach dieser Leistung waren die darauf folgenden 15 Fahrminuten
nach Hospental nicht mehr der Rede wert und wir kamen nach unglaublichen acht
Stunden reiner Fahrzeit endlich in der Jugendherberge Hospental an.
Hätten wir bereits in Amsteg gewusst, was uns in den
folgenden Stunden erwarten würde, ich glaube wir hätten es nicht gepackt. So
aber liessen wir uns aber so richtig völlig ausgepumpt ins Bett fallen und
träumten stolz von einer der grössten Leistungen unseres noch jungen Lebens.
Aber Achtung: Wer in Hospental angekommen ist, hat noch
nicht den Gotthardpass überquert. Und genau dieser Denkfehler sollte uns am
kommenden Tag zum Verhängnis werden. Den Bericht gibt’s in Bälde.
Kilometer: 97km
Durchschnittsgeschw. 11.3 km/h
Fahrzeit: 8 Stunden
Reisezeit: 11 Stunden
Durchschnittsgeschw. 11.3 km/h
Fahrzeit: 8 Stunden
Reisezeit: 11 Stunden
Mittwoch, 1. August 2012
Drei Tage, zwei Freunde, ein Ziel: Einmal quer durch die Schweiz
Endlich! Um genau 18:14 Uhr glitzerte uns die
Wasseroberfläche des Luganersee am Horizont entgegen: Nach 314 Kilometern, rund
3500 überwundenen Höhenmetern und kräftezehrenden 22,5 Stunden auf dem Velo,
wurde das niemals für möglich gehaltene wahr: Wir Amateure, totale
Nicht-Velofahrer und bekennenden Heimscheisser, fuhren ohne auch nur einen einzigen
gelaufenen, gerobbten oder motorisiert zurückgelegten Zentimeter in Lugano ein. Als Erinnerung bleibt: Der
Husarenritt unseres Lebens!
Der Plan:
Einmal quer durch die Schweiz, und zwar mit dem Velo:
Team: Jonny,
Bieri
Route: Nationale Nord-Süd-Route (Route 3)
Start: Liestal, Bahnhof
Ziel: Lugano, Bahnhof
Distanz: 314 Kilometer
Höhenmeter: rund 3500 Meter
Etappen: Tag 1: Liestal – Luzern
Tag 2: Luzern – Hospental
Tag 3: Hospental – Lugano
Route: Nationale Nord-Süd-Route (Route 3)
Start: Liestal, Bahnhof
Ziel: Lugano, Bahnhof
Distanz: 314 Kilometer
Höhenmeter: rund 3500 Meter
Etappen: Tag 1: Liestal – Luzern
Tag 2: Luzern – Hospental
Tag 3: Hospental – Lugano
Etappe 1, Liestal - Luzern:
Montagmorgen: Die ganze Tour stand schon vor unserem Antritt
unter einem schlechten Stern. Ich hatte mir am Wochenende eine Bänderverletzung
zugezogen und entschied erst am Vorabend, mit einer Gelenkstütze trotzdem
anzutreten. Jonny verliess denselben Anlass wie ich mit einer Zehen-Prellung,
die sich bald FCB-mässig rot-blau verfärbte.
Allen Schmerzen zum Trotz: Wir verschoben pünktlich und wie
abgemacht früh morgens nach Liestal, um dort unsere Mietvelos abzuholen. Im
Schlepptau je zwei Velotaschen gefüllt mit Bidons, Wechselkleidung und Riegel
für zwischendurch sowie einem Koffer. Diesen
übergaben wir am Bahnhof den SBB mit der Bitte, ihn doch für uns nach Lugano zu
liefern. Dies taten sie dann auch – nach Bezahlung der entsprechenden Gebühr.
Nach ersten kleinen Probefahrten auf den unbekannten Velos,
der Velotaschen-Montage und einem letzten Blick in die Karte, entstand dann
dieses Foto:
| 08:30 Uhr: Abfahrt an der Velostation Liestal |
Und so ging es endlich los! Die erste Etappe sollte uns von
Liestal 94 Kilometer weiter bis nach Luzern führen. Grösste Schwierigkeit auf
dem Teilstück würde wohl die Schafmatt zu Oltingen darstellen. Die auf 840
Metern gelegene Höhe ist Teil des Juragebirges und trennt mitunter die Kantone
Baselland und Solothurn. Bereits nach einer Stunde erreichten wir den Fuss
dieses Aufstiegs in Rothenfluh. Völlig unerfahren und unwissend schalteten wir
also ein paar Gänge zurück und strampelten munter den Berg hinauf. Bereits nach
wenigen Minuten begannen die Oberschenkel-Muskeln auf der teils extrem steilen
Strecke zu brennen. Etwas geschockt von der Intensität des Aufstiegs setzten
wir uns ein erstes Mal an den Strassenrand. Welche Kraftausdrücke dann folgten,
lassen wir an dieser Stelle beiseite. Ja kann das denn wirklich wahr sein, dass
wir bereits jetzt an unsere Leistungsgrenze stossen? Unsere Oberschenkel
antworteten auf diese Frage bereits mit einem leichten Nicken, unsere Dickschädel
hingegen winkten vehement ab! Also ging
es weiter im Schneckentempo und mit viel viel Wille. Endlich entdeckten wir das
Ortsschild von Anwil. Geschafft! Völlig durchnässte T-Shirts, schwitzige Hände
und brennende Oberschenkel erhielten eine Auszeit um dann, nach einer kurzen
Abfahrt – nein, jetzt aber nicht im Ernst oder? – oh doch, zum nächsten Anstieg
zu gelangen. Gemäss Karte war der Aufstieg nach Anwil bestenfalls die
Aufwärmrunde gewesen für das, was nun folgte. Doppelt so lange und noch einmal
etwas steiler führte der Weg durch den Wald hoch auf die Schafmatt. Und
erstmals kamen klitzekleine Zweifel auf, ob wir uns vielleicht nicht doch etwas
übernommen hatten?! Nach jedem Rank gleich nochmals einer. Die Hoffnung, der
nächste würde wohl der letzte Sein, wurde gleich mehrmals jäh begraben.
Mit unglaublich viel Kampf, tollem Einsatz und einer
grandiosen Willensleistung trafen wir um ca. 10:30 Uhr dann doch noch auf dem
Gipfel ein und dürfen im Nachhinein stolz sagen: Dieser Aufstieg bleibt auch
nach dem Ende der Tour immer noch einer der härtesten, den wir gepackt hatten!
| Herrliche Aussicht in Richtung Baselbiet... |
| ...und in Richtung Solothurn. |
Wenigstens ist die Natur so fair und liefert nach beinahe
jedem grässlichen Aufstieg auch gleich eine rasante und spassige Abfahrt nach.
So auch jetzt, als wir mit teilweise rund 60 km/h und einer gehörigen Portion
Stolz ob dem Geleisteten in Richtung Rohr SO sausten. An dieser Stelle deshalb
ein recht herzliches Dankeschön an Mutter Natur. Über Stüsslingen fuhren wir
dann bis an das Ufer der Aare und diesem entlang bis nach Aarau, wo wir unseren
Mittagshalt machten. Als klassische Sportlernahrung hatten wir uns Hackbraten
mit Kroketten und Bohnen ausgesucht. Vielleicht hätte man jetzt auch ein
anderes Menu wählen können…naja…Geschmeckt hat es jedenfalls ausgezeichnet.
40 Kilometer hatten wir also bereits zurückgelegt und
weitere 30 sollten uns nun zu unserem zweiten Zwischenziel bringen: Nach Sursee, zur anschliessenden Fahrt entlang des Sempachersees.
Eigentlich hätte ja wettermässig alles gepasst: Blauer
Himmel, Sonne satt und angenehme Temperaturen – wäre da nicht dieser fiese
Gegenwind gewesen. Das Teilstück bis nach Sursee wäre grundsätzlich ein
einfaches gewesen, zwar stetig etwas steigend, aber doch viel gerade aus.
Dieser äusserst gemeine, richtig fiese und fast schon hinterhältige Gegenwind sorgte
aber dafür, dass sogar dieses Stück zur Prüfung wurde. Unnötig viel Gestrampel,
eine eher bescheiden schöne Landschaft und die Tatsache, dass 30 Kilometer gerade
aus sehr sehr lang sein können, machten dieses Teilstück zu einem der
mühsamsten der Tour.
Nach ziemlich genau fünf Stunden reiner Fahrzeit erreichten
wir dann endlich das wunderschöne Städtchen Sursee (Tatsächlich einmal einen
Ausflug wert!). Nach der anstrengenden Fahrt ab Aarau, genossen wir die paar
Kilometer entlang des Sempachersees umso mehr und erfreuten uns an dem
herrlichen Landschaftsbild. Wasser, Berge, Sonnenschein: Einfach nur herrlich!
| Blick über den Sempachersee. Im Hintergrund türmen sich bereits die Berge... |
| Der isotonische Freund - bei diesen Temperaturen unverzichtbar! |
| Stärkung für das letzte Teilstück |
Mittlerweile hatte es bereits 16:00 Uhr geschlagen. Das
letzte Teilstück des Tages enthielt noch einmal einen mittleren Anstieg und
danach eine kleine Abfahrt, die wir in gut einer Stunde hinter uns brachten um dann,
punkt 17:00 Uhr, endlich in der Jugendherberge Rotsee anzukommen.
| Yes!!! |
Nach der wohlverdienten Dusche und einer ordentlichen Menge Perskindol an den Oberschenkeln, wagten wir uns nach langem hin und her am Ende doch noch auf einen kleinen Ausflug in die Stadt. Dort machten wir es uns beim Italiener gemütlich und liessen den Tag bei einem kühlen Bier ausklingen.
| Traumhafte Bilder zum Abschluss einer strengen ersten Etappe. |
Etappe 1 in Zahlen:
Kilometer: 94 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,5 km/h
Fahrzeit: 6,5 Stunden
Reisezeit: 8,5 Stunden
Durchschnittsgeschwindigkeit: 14,5 km/h
Fahrzeit: 6,5 Stunden
Reisezeit: 8,5 Stunden
Sonntag, 22. April 2012
Save the date: Am 30.August wird geheiratet!
So viel Wein auf einem Fleck, das macht ganz schön durstig. Egal ob rot, weiss oder
rosé: an der Mustermesse Basel (muba) ist für jedermann etwas dabei. Doch mit dem
blossen Anschauen ist es noch nicht getan, nein, schliesslich sieht man einem
Wein ja nicht an, ob er schmeckt oder nicht! Die Lösung ist einfach:
Degustieren.
So einfach ist es dann aber doch nicht. Zu zweit haben wir
uns am Wochenende aufgemacht, in die heilige Halle 2.2, zu den Weinliebhabern.
Endlich wollten wir auch einmal dazusitzen und über erlesene Tropfen fachsimpeln, und das erst
noch gratis, versteht sich. Doch wie fachsimpelt man über etwas, von dem man
aber sowas von gar nichts versteht? Wie bringst du einen Verkäufer dazu, dir
die besten Weine aufzutischen, ohne dass dieser merkt, dass du ja sowieso keine
einzige seiner Flaschen kaufen wirst? Und wie spreche ich diese Traubensaft-Kenner
überhaupt an? „Hallo, ich würde gerne gratis deinen Wein saufen?“ Oh nein, meine Lieben, so einfach ist das
nicht! Man braucht dafür eine Taktik, Körperbeherrschung und eine gute Portion
Skrupellosigkeit. Und das ist genau der Punkt: Zwei anständige, gut erzogene
Landeier wollen in der grossen Stadt die Skrupellosen spielen. Wir habens
versucht, und zwar mit Erfolg! Hier unser Schlachtplan:
Zuerst brauchst du eine Story. Und zwar nicht einfach
irgendeine Story, nein, es muss eine glaubwürdige, einfache und alltagsnahe
Story sein. Lücken und Fehler darin sind gleichbedeutend mit Scham,
Peinlichkeit und einer Degradierung sondergleichen. Folgende Optionen standen
uns nach langwieriger Diskussion zur Wahl: Die „Wir haben keine Ahnung von Wein
und würden uns gerne belehren lassen“-Nummer, die „Wir haben gerade eine WG
gegründet und möchten unseren Weinkeller füllen“-Nummer, oder die „Mein Kollege
heiratet und wir suchen einen passenden Wein“-Nummer. Nummer eins ist
wahnsinnig ehrlich, glaubwürdig und beinhaltet keinerlei Fettnäpfchen. Aber sie
hat einen grossen Haken: Welcher Weinverkäufer verbringt schon gerne einen
halben Nachmittag mit zwei Laien, währenddessen seine Arbeitskollegen ihre
Provision mit unzähligen verkauften Flaschen in die Höhe treiben. Und den guten
Wein, den richtig guten, den servierst du bestimmt nicht diesen zwei Idioten!
Nummer eins also war schnell gestorben.
Nummer zwei, die WG-Nummer. Wer einen
Weinkeller hat, der hat bestimmt auch ein wenig Ahnung von der Materie. Trotzdem
hätten wir uns aber noch als Anfänger geben können, um peinlichen
Fachausdruck-Schlachten aus dem Weg zu gehen. Aber mal ehrlich: Welche WG hat
schon einen Weinkeller? Und in einer WG leben oftmals zwei Studenten die mit
ihrem Budget gerade mal so über die Runden kommen. Würdest du so jemanden den
19.90 CHF Kochwein probieren lassen oder doch eher den 84.50 CHF teuren
Spezialwein aus Südafrika? Eben. Zwei auch tot.
Bleibt noch die Drei. Die
Geschichte mit der Hochzeit. Traumhaft! Ja wann leistet sich denn auch ein
finanziell limitierter Student einmal eine gute Flasche? Natürlich, zur
Hochzeit! Schliesslich will er seine Zukünftige ja nicht enttäuschen, und deren
Eltern schon gar nicht! Zudem kauft man für die Hochzeit nicht einfach den erst
besten Wein, nein, man vergleicht, man testet, man, achtung, degustiert! Ja
genau, man degustiert!
Zack! Dem ersten Typen die Geschichte erzählt und schon
sitzen wir am kleinen Tischlein. Ein dunkelhäutiger, gepflegter und humorvoller
Verkäufer, natürlich im Anzug, wird uns bei der Wahl behilflich sein. „Weiss,
rot oder rosé?“. Shit, das hatten wir uns nicht überlegt. Kannst ja nicht
einfach zu einem Rundumschlag ausholen und dich mal so durch die ganze Karte
trinken. Wir hätten präziser sein sollen. Solange aber nur einer redet, ist es
ja kein Problem, da muss man halt spontan sein. „Weiss, wir suchen einen
Apéro-Wein“. Ja meine Güte, was zaubert denn da mein Kollege für eine herrliche
Antwort aus dem Hut? „Mögt ihr trockenen Wein? Gerne etwas fruchtig oder süss?
Darf er etwas Säure haben?“ So. Jetzt hast du den Salat. Aber halt, da gibt es
ja immer noch die „Ich habe keine Ahnung“-Nummer. Wieso nicht einfach ehrlich
sein? Einer der Heiratet ist nicht sofort ein Weinkenner. „Schwierig…wir kennen
uns halt nicht so aus. Ich kann dir höchstens sagen ob mir ein Wein schmeckt
oder nicht…beim „Wieso“ wird’s dann etwas schwieriger“. Kein Problem, mein der
Verkäufer, und tischt uns in der Folge alles auf was wir nur so möchten.
Zuerst
den günstigen natürlich. „Das ist ja jetzt eher der günstige Wein, der schmeckt
mir eigentlich ganz gut, aber ich würde jetzt gerne mal zum Vergleich einen
teuren versuchen, nur um zu sehen, ob es sich lohnt, etwas mehr zu investieren“.
Grandios! Oscar-Reif! Der Typ steht auf und greift in den Kühlschrank. 36 CHF
kostet der schon. Herrlich läuft der den Hals hinunter, zwar nicht viel besser
als der günstige, aber halt teurer! Schlussendlich lassen wir uns vorrechnen
was das Ganze für eine Gesellschaft von 100 Gästen kosten würde, verlangen eine
Offerte und verabschieden uns höflich.
Das Ganze wiederholt sich nun noch etwa
fünf Mal, glaube ich jedenfalls, so richtig kann ich es nicht mehr sagen, da
kommt halt dann schon einiges an Alkohol zusammen an einem Samstagnachmittag.
Jedenfalls passen wir die Geschichte immer wieder etwas an: Den Rotwein suchen
wir nämlich für den Hauptgang, wo wir am liebsten gleich zwei Sorten zur
Auswahl anbieten möchten. Natürlich brauchen wir dann noch einen Dessertwein
und beim Walliser-Stand geben wir zu verstehen, dass wir bis jetzt nur teuren
Südafrikaner serviert bekommen hätten, und gerne auch einmal einen Schweizer
Wein versuchen würden, denn das sei ja wohl ökologisch viel sinnvoller! Ja
natürlich! Zack, hatten wir die Walliser-Dame auch schon am Haken!
Schlussendlich dürfen wir behaupten, nun nicht mehr blutige Anfänger, sondern ein klein wenig "fortgeschritten" zu sein. Wir können jetzt zwischen "leichtem" und "schwerem" Wein unterscheiden, kennen den Unterschied zwischen einem Weisswein mit viel Säure und einem ohne Säure und haben gemerkt, dass Schweizer Weisswein bestenfalls zum Kochen geeignet ist. Im nächsten Jahr greifen wir dann richtig an, dann wollen wir definitiv in die Gruppe der "Fortgeschrittenen" aufsteigen.
Und die Moral der Geschicht‘? Ohne Taktik geht es nicht!
Donnerstag, 23. Februar 2012
Ich bin wieder hier, in meinem Revier
Ach du liiiiiiiebe Zeit! Sage und schreibe mehr als zwölf Wochen sind nun schon vergangen, seit meinem letzten Blog-Eintrag. So einiges ist in dieser Zeit passiert, kurz zusammengefasst:
- Ich hatte eine gefühlte Ewigkeit für meine Semesterprüfungen gelernt
- Ich hatte nicht annähernd so viel Zeit für das Ausfüllen jener Prüfungen benötigt
- Ich hatte zwischendurch einen Schüttelfrost- Anfall (äusserst mühsam!!)
- Ich bin am Kleinbasler „Charivari“ gewesen, und habe mich über den komplett besoffenen Sitznachbarn geärgert.
- Ich hatte mit Freuden festgestellt, dass sich das Lernen gelohnt hat, und ich die Prüfungen mit Bravour bestanden habe.
- Ich war selbst einige Male komplett besoffen (habe ich wohl auch jemand geärgert?)
- Ich bin im Fussball Manager 12 mit dem FC Grosseto in die erste italienische Liga aufgestiegen (und das ist nun wirklich eine starke Leistung!)
- Ich hatte immer wieder den Stapel an Schulmaterial angeschaut, den ich eigentlich einordnen wollte, und der noch heute genau da liegt, wo er damals lag.
- Ich hatte das Auto gewaschen. Also eigentlich wars die Waschanlage.
- Und so weiter und so fort
Und wieso das Ganze?
Damit ich jetzt wieder täglich um 05:12 aufstehen kann, zwei Stunden nach Winterthur tuckern kann und das gleiche, verwirrende und aber so was von in die Länge gezogene Geplapper unserer Dozenten anhören kann. Zwei Stunden zurück und um 18:47 bin ich dann wieder zurück in Bubendorf.
Ach wie hab‘ ichs vermisst…
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